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Synopse
Der Sohn des großen Kalifen von Bagdad, Prinz Achmed, gerät
in allerhand Abenteuer. Zunächst wird er auf ein fliegendes Pferd
gelockt, das eigentlich das Interesse seines Vaters weckte, der sich aber
auf kein Tauschgeschäft - seine Tochter gegen das Pferd - einlassen
wollte. Das Pferd fliegt mit ihm auf eine Insel namens Wak-Wak. Dort verliebt
sich Achmed in die schöne Pari Banu. Es folgen Entführungen,
Mißverständnisse, viele Kämpfe gegen Zauberer und böse
Geister bis am Ende dann doch alles gut ausgeht. Übrigens: Unterstützt
wird Achmed von Aladin und seiner Wunderlampe.
"...Wenn man
bedenkt, daß jede der agierenden Figuren in allen ihren Gelenken
beweglich sein muß, daß getreu der Vorlage aus 1000 und einer
Nacht die merkwürdigsten Fabel- und Wunderwesen auftreten und die
dunklen Silhouetten sich abheben von einem malerisch gestalteten Hintergrund,
der seltsame Landschaften, dräuende Wolken, sturmgespeitschte Meere
wiedergibt, so kann man sich ungefähr eine Vorstellung davon machen,
welch ein Wunderwerk hier geleistet ist. Aber auf das Technische allein
kommt es ja nicht an, die Hauptsache ist, daß der Geist des Märchens
hier in der filmischen Bilderfolge aufs glücklichste neu geboren
ist und daß die Welt orientalischer Wunder, fabelhafter Verwandlungen,
traumhafter Vorgänge und den Mitteln einer an türkischen und
japanischen Vorbildern geschulten Silhouettenkunst neu geschaffen ist.
Wir sind hier im Bereich des absoluten Films, der sich an keine realistischen
Vorbilder anlehnt, sondern in seiner Formenwelt schöpferisch vorgeht..."
(Vorwärts, 9. Mai 1926)
Die
Abenteuer des Prinzen Achmed - Produktionsnotizen
Lotte Reiniger, die nicht nur das Storyboard geschrieben hat, sondern
auch die Figuren geschnitten und bewegt, sowie die Hintergründe erstellt
hat, schrieb zu ihrem Film:
"Seit Jahrhunderten hatte der Prinz Achmed mit seinem Zauberpferd
als Märchenfigur in den Geschichten von Tausendundeiner Nacht ein
behagliches Dasein geführt und war beliebt, glücklich und zufrieden.
Aus diesem Frieden wurde er eines Tages aufgeschreckt, als eine Filmgesellschaft
auf die Idee kam, seine und viele weitere Abenteuer aus derselben Quelle
zu einem Trickfilm zu verwenden. Zu diesem Zwecke mußte er, wie
viele seiner unglücklichen Schicksalsgenossen aus anderen literarischen
Gebieten, 'umgeboren' werden. Und zwar noch gründlicher, als dies
sonst bei anderen Verfilmungen üblich ist, wo man Darsteller zu finden
sucht, die einigermaßen dem Charakter, um den es in der Geschichte
geht, entsprechen und sie mit der Rolle betraut. Denn es sollte ein Silhouettenfilm
werden, weil der Hersteller, der von dieser Idee besessen war, nämlich
ich, nichts anderes konnte als Silhouettenfilme machen. ...
Bisher hatte ich nur zehn Minuten lange Filme dieser Art gemacht, aber
die Abenteuer dieses Prinzen Achmed sollten über eine Stunde dauern,
und so mußten für das Manuskript noch viele andere Motive aus
dem reichen Schatz von Tausendundeiner Nacht herhalten. Prinz Achmed selber
mußte zunächst körperlich erfunden, gezeichnet , geschnitten,
beweglich gemacht, beleuchtet, bewegt und aufgenommen werden. Das geschah
dann auch in den Jahren 1923 bis 1926; solange dauerte es nämlich,
bis der Film fertig wurde. Warum? Weil für solch einen Film für
jede Sekunde 24 einzelne Bildchen aufgenommen werden müssen. Es sei
den algebraischen Fähigkeiten des Lesers überlassen, zu errechnen,
wieviele dann für ein Opus von über eine Stunde Länge vonnöten
sind. Und nicht nur darum. Es mußten auch, wie sich im Laufe der
Arbeit herausstellt, unentwegt neue Erfindungen gemacht und ausprobiert
werden, um der fantastischen Handlung zu entsprechen. Je länger die
Aufnahmen für Prinz Achmed dauerten, desto anspruchsvoller wurden
seine Wünsche. Der Trickfilm steckte damals noch in seinen Kinderschuhen,
es gab noch keine Mickey Mouse. Wohl aber gab es vereinzelte Künstler,
die eigene Wege gingen." (Kinderfilm
Online)
Lotte
Reiniger
Lotte Reiniger gilt
als die Schöpferin und kunstvolle Gestalterin des Silhouettenfilms
und hinterläßt mit rund 40 Scherenschnittfilmen ein einzigartiges
Oeuvre. Ihren ersten eigenen Silhouettenfilm Das Ornament des verliebten
Herzens stellt sie bereits 1919 am Institut für Kulturforschung
in Berlin her. Es folgen eine Vielzahl weiterer Silhouettenfilme, die
sie ab 1948 in London herstellt. Ihre letzten Silhouettenfilme dreht Reiniger
in Kanada The Rose and the Ring (1979) und übersiedelt 1980
nach Dettenhausen bei Tübingen, wo sie am 19. Juni 1981 verstirbt.
Mit der Verleihung des Filmbandes in Gold 1972 und dem Bundesverdienstkreuz
1980 erhält die Arbeit von Lotte Reiniger die würdigende Anerkennung.
Zur Restaurierung
Die glanzvolle Premiere
ihres Films Die Abenteuer des Prinzen Achmed fand am 3. September
1926 im Berliner Gloria-Palast statt. Lotte Reiniger hatte drei Jahre
lang mit ihrem Mann Carl Koch sowie Walter Ruttmann und Bertold Bartosch
an dem Silhouettenfilm gearbeitet. Über 250.000 Einzelbildaufnahmen
der Scherenschnittfiguren und Hintergründe waren am Tricktisch notwendig,
um einen der ersten abendfüllenden Animationsfilme der Filmgeschichte
fertigzustellen. Nach Motiven der Märchen aus Tausend und einer Nacht
erzählt der Film mit viel Phantasie und poetischen Szenerien die
abenteuerliche Reise des Prinzen Achmed.
Das Deutsche Filmmuseum übernahm 1998-99 mit freundlicher Unterstützung
von ZDF/ARTE und dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und
Kunst die Restaurierung des Films. Von der 1926 gezeigten Originalfassung
sind weder Kopien noch das Kameranegativ erhalten geblieben. Aus dem National
Film and Television Archiv in London konnte das Museum ein viragiertes
35mm-Positiv des Films mit englischen Zwischentiteln für die Kopierarbeiten
entleihen. Mit neuen Titeln wurden die Kopierarbeiten nach dem Desmet-Verfahren,
Herstellung eines neuen Negativs und Viragierung (Einfärbung) der
Vorführkopien, im renommierten Kopierwerk L'Immagine Ritrovata in
Bologna ausgeführt. (Deutsches
Filmmuseum Frankfurt/Main)
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