Battling Butler (Der Killer von Alabama)
USA 1926, 62 min
Regie: Buster Keaton
Drehbuch: Paul Gerard Smith, Al Boasberg, Charles B. Smith, Lex Neal
Kamera: J. Devereux Jennings, Bert Haines
Darsteller: Buster Keaton, Sally O'Neal, Snitz Edwards, Francis McDonald, Tom Wilson, u.a.
Musik und Ausführung: Helmut Nieberle, Gitarre; Bob Rückert, Saxophon; Karsten Gnettner, Kontrabass
Filmkopie: Die Lupe



 

Synopse
Alfred Butler (Buster Keaton) ist der verzärtelte Sohn eines Millionärs. Als dieser ihm befiehlt in die Wälder zu ziehen, damit endlich ein richtiger Mann aus ihm wird, folgt Alfred seinem Wunsch. In voller Montur und mit eigenem Kammerdiener zieht er in die Wildnis, wo er bald ein bezauberndes, wenn auch etwas kratzbürstiges Mädchen trifft, um dessen Hand er kurze Zeit später anhält. Um die Skepsis des hünenhaften Brautvaters gegenüber dem schmächtigen Großstädter zu beseitigen, gibt ihn sein Diener bei dieser Gelegenheit als seinen Namensvetter, den berühmten Boxer "Battling Butler", aus. Es kommt zur Hochzeit, doch um die Lüge aufrecht zu erhalten, muß Alfred noch am selben Tag ins Trainigslager reisen. Hier trifft er auf den tatsächlichen Champion. Dieser spielt das Spiel mit, um sich am untrainierten Alfred für dessen angebliches Interesse an seiner Frau zu rächen. Solchermaßen in eine neue Identität gezwungen, nimmt dieser das Training auf, um gegen den Herausforderer, den "Killer von Alabama", anzutreten. Unter den Augen seiner frischgebackenen Ehefrau, die ungefragt nachgereist ist, rückt der große Tag nun unaufhaltsam näher...

Buster Keaton und die Frauen
"Keaton haßte die Frauen nicht. Er hatte nichts gegen Mädchen. Im Gegenteil, er hielt sie für die hübschesten kleinen Dinger, die man sich nur vorstellen kann. [...]
Ebenso verstand er, oder konnte sich darauf verständigen, daß Mädchen notwendig waren. Man sollte sie sogar heiraten. [...] Er hält immer um die Hand der Frau an, sei es gezwungenermaßen oder nicht. [...] Meist erfolgt der Antrag freiwillig, und sehr oft wird der Antrag akzeptiert, noch bevor er ihn ganz ausgesprochen hat. Macht nichts. Wenn Buster die Frau erstmal gewonnen hat, geht er direkt zum ekstatischen Kuss über. Die Ekstase erkennen wir vor allem an der prompten Ausführung. [...]
Es gibt nur einen schrecklichen kleinen Haken. Der Pakt, den Keaton vor langer Zeit mit dem nicht immer ganz zurechnungsfähigen Universum abgeschlossen hat, sein Schwur des nolo contendere, seine Bereitschaft das Spiel laufen zu lassen und mitzuspielen, dieser Pakt kann von keinem Mädchen, keiner Frau verstanden oder gebilligt werden. Frauen waffnen sich gegen eine See von Plagen und verdoppeln sie. Frauen sind Aktivistinnen, hoch rationale Geschöpfe, die nie auf den Gedanken kämen angeln zu gehen, wenn bereits Unheil in der Luft liegt. Sie stünden ganz bestimmt nicht regungslos, bis ein einstürzendes Gebäude schließlich einstürzt. Im Gegenteil, Frauen tun etwas, und dieses Tun bringt, nun ja, unerbittlich jene gar so zarte, gar so zerbrechliche Harmonie aus dem Gleichgewicht, die Keatons wachsames Warten schließlich bewirkt hatte. [Keaton] hatte es geschafft, das traditionelle Geschlechterkonzept exakt auf den Kopf zu stellen: Er war der passive Spielball der Natur, ein intuitives Geschöpf, das -wenn es handelte- dies aus dem Instinkt heraus tat; Sie war die Geschäftige mit tausend Ideen im Kopf. Kein anderer Komiker sah das Mädchen jemals in genau diesem Licht.
Was immer [...] schief läuft, läuft schief, weil das Mädchen denkt. Ihr Denken muß dabei nicht unintelligent sein: es reicht wenn es nicht opportun ist. In einer Welt, die aus Materie aufgebaut ist - einer Welt, die Keaton gemeistert hat, indem er sich ihren Gesetzen unterwirft, bis sie sich zu seinen Gunsten wandeln, ist eine Art Anti-Materie entfesselt worden. [...] Sie würde ihn der einzigen Sicherheit berauben, die er kennt, der Sicherheit auf den Wellen des Schicksals mitzureiten. Er konnte nicht sein Universum und das Mädchen haben. Die beiden sprachen nicht miteinander. Er nahm das Mädchen und wußte genau, worauf er sich da einließ." (Kerr, 236ff.) Hierin liegt die eigenartige Tragik des Keatonschen Happy Ends.

 

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