Eric Satie studierte am Pariser Conservatoire und später - schon ein Vierziger - nochmals an der Schola Cantorum. Er wurde vielfach - und nicht ohne Grund - als Exzentriker betrachtet; auch als musikalischer Humorist wurde er mehrfach bezeichnet. Er pflegte seinen Stücken sonderbare Titel und Vortragsanweisungen beizugeben, was mitunter von dem eigentlichen musikalischen Gehalt ablenken mochte. Anhänger einer der mystischen Bruderschaften der Rosenkreuzer, lebte er in Armut und schrieb auch eine Messe des pauvres (Messe der Armen). Als Antwort auf den Vorwurf, seine Musik habe keine Form schrieb er Trois Morceaux en forme d'une poire (Drei Stücke in Form einer Birne). Mit der Zeit wurden seine musikalischen Ideen und Neigungen immer abwegiger. Vexations (Belästigungen), ein aus 180 Noten bestehendes Klavierstück enthält die Anweisung, 840mal wiederholt zu werden. Die erste bekanntgewordene Aufführung hat 1963 in New York stattgefunden und wurde von einer Kette von zehn Pianisten bestritten. Sie dauerte achtzehn Stunden und erlangte somit den zweifelhaften Ruhm, das längste jemals geschriebene Klavierstück zu sein. Als die seine Werke begleitenden Kommentare mehr Aufmerksamkeit zu erwecken begannen als die Musik selbst, verbot Satie die Rezitation dieser Anweisungen während der Aufführung. Graphisch sind seine Manuskripte wahre Muster an Klarheit und handwerklicher Perfektion und wären es wert, in ihrer ursprünglichen Form und nicht im nüchtern gestochenen Schwarz-Weiß gedruckt zu werden. Sein Ballett Parade entstand in Zusammenarbeit mit Jean Cocteau, Djaghilev und Picasso und weist auf seine Verbindung zu den Kubisten hin. Es fand den uneingeschränkten Beifall Strawinskijs. Das symphonische Drama Socrate wird vielfach als eines seiner Meisterwerke angesehen. Saties Oeuvre ist nicht sehr umfangreich und das Wesen seiner Werke meist so grillenhaft wie die Titel, die er ihnen gegeben hat. Immerhin wird ihm kein geringer, Einfluß auf Teilelemente des Schaffens von Poulenc, Ravel und Milhaud nachgerühmt.
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