Diese erfrischend absurde DADA-Komödie verweigert sich allen Konventionen, seien sie
nun sozialer oder cineastischer Art. Da fliegen wild die Hüte, Melonen,
durcheinander, Pistolen werden abgefeuert ohne daß jemand stirbt
und bärtige Männer (u.a. Paul Hindemith, Darius Milhaud und
Richter selbst) stürzen sich auf die Kamera. Der Film ist noch immer
eine verblüffende und überraschende Burleske über Objekte,
die den Aufstand proben. Da die Handlung aus der anarchischen Auflösung
kausaler Gesetze lebt, manifestiert sich das narrative Gerüst des
Films nur sprunghaft und assoziativ. »Die übergreifende Bewegung
stiftet der Rhythmus«. (Jacobsen, u.a.)
Ursprünglich wurde der Film für das Baden-Badener Musikfestival
gedreht und dort aufgeführt mit einer eigens zu diesem Anlaß
komponierten Musik Hindemiths, die jedoch -ebenso wie das Filmnegativ-
von den Nationalsozialisten als "entartete Kunst" vernichtet
wurde. Die StummFilmMusikTage 2001 gaben daher eine neue Vertonung bei
Klaus Treuheit in Auftrag.
Nachdem er in Berlin und Weimar studiert hatte, wurde Richter, zusammen mit Walter Ruttmann und Viking Eggeling, zu einem der großen Pioniere deutscher Filmavantgarde in den Zwanzigern. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten emigrierte er in die USA, wo er u.a. Dreams That Money Can't Buy drehte, einen abendfüllenden Film, der auf Szenarien von Marcel Duchamp, Alexander Calder, Max Ernst, Fernand Léger und Man Ray beruhte.
»[Der Film] zeigte Rebellion der Objekte, der Hüte, Tassen, Krawatten, Schläuche, etc. gegen den Menschen. Schließlich stellte sich dann die alte Rangordnung des Menschen-Herrn über die Objekt-Sklaven wieder her. Aber für diese kurze Zeit mag doch ein Zweifel an der Allgültigkeit der gewöhnlichen Subjekt-Objekt-Ordnung im Publikum eingetreten sein.«