Vormittagsspuk(D 1928)

Dauer:
9 min
Regie:
Hans Richter
Darsteller:
  • Paul Hindemith
  • Darius Milhaud
  • Hans Richter
  • Werner Graeff
  • u.a
Musik (UA)und Ausführung:
Klaus Treuheit
Filmkopie:
Filmmuseum München

Diese erfrischend absurde DADA-Komödie verweigert sich allen Konventionen, seien sie nun sozialer oder cineastischer Art. Da fliegen wild die Hüte, Melonen, durcheinander, Pistolen werden abgefeuert ohne daß jemand stirbt und bärtige Männer (u.a. Paul Hindemith, Darius Milhaud und Richter selbst) stürzen sich auf die Kamera. Der Film ist noch immer eine verblüffende und überraschende Burleske über Objekte, die den Aufstand proben. Da die Handlung aus der anarchischen Auflösung kausaler Gesetze lebt, manifestiert sich das narrative Gerüst des Films nur sprunghaft und assoziativ. »Die übergreifende Bewegung stiftet der Rhythmus«. (Jacobsen, u.a.)
Ursprünglich wurde der Film für das Baden-Badener Musikfestival gedreht und dort aufgeführt mit einer eigens zu diesem Anlaß komponierten Musik Hindemiths, die jedoch -ebenso wie das Filmnegativ- von den Nationalsozialisten als "entartete Kunst" vernichtet wurde. Die StummFilmMusikTage 2001 gaben daher eine neue Vertonung bei Klaus Treuheit in Auftrag.

Hans Richter (1888-1976)

Nachdem er in Berlin und Weimar studiert hatte, wurde Richter, zusammen mit Walter Ruttmann und Viking Eggeling, zu einem der großen Pioniere deutscher Filmavantgarde in den Zwanzigern. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten emigrierte er in die USA, wo er u.a. Dreams That Money Can't Buy drehte, einen abendfüllenden Film, der auf Szenarien von Marcel Duchamp, Alexander Calder, Max Ernst, Fernand Léger und Man Ray beruhte.

Hans Richter über Vormittagsspuk

»[Der Film] zeigte Rebellion der Objekte, der Hüte, Tassen, Krawatten, Schläuche, etc. gegen den Menschen. Schließlich stellte sich dann die alte Rangordnung des Menschen-Herrn über die Objekt-Sklaven wieder her. Aber für diese kurze Zeit mag doch ein Zweifel an der Allgültigkeit der gewöhnlichen Subjekt-Objekt-Ordnung im Publikum eingetreten sein.«