South – Sir Ernest Shackleton's Glorious Epic of the Antarctic(GB 1919)

Dauer:
80 min
Regie:
Frank Hurley
Kamera:
Frank Hurley
Musik (UA):
Klaus Treuheit
Ausführung:
Christoph Irmer (Violine), Peter Holtz (Klarinette), Günther Pitscheider (Kontrabaß), Klaus Treuheit (Cembalo, Celesta, präpariertes Piano und Zuspielband)
Leitung:
National Film and Television Archive, London
Filmstill South Untertitel South

Inhalt

Dieses einzigartige Filmdokument entstand während der legendären Antarktis-Expedition Sir Ernest Shackletons (1914-16). Frank Hurley, ein eigens engagierter Kameramann, dokumentiert den Expeditionsalltag, den täglichen Kampf gegen das Packeis und wie Shackletons Schiff, die »Endurance«, nach neun Monaten schließlich zerquetscht wird und sinkt, ohne den Südpol erreicht zu haben. Ein dramatischer Kampf ums Überleben beginnt.

Hintergrund

Als Shackleton seine Reise begann, hatte Großbritannien Deutschland gerade den Krieg erklärt. Es sollte zwei Jahre dauern, bis Shackleton und seine Männer vom Verlauf dieses Krieges und von den gewaltigen Veränderungen jener Welt erfahren sollten, die sie zurückgelassen hatten. Diese 'alte', romantische Welt hatte einen wahren Helden- und Entdeckerkult propagiert, so dass auch Shackleton als heldenhafter Polarforscher in die Geschichtsbücher eingehen wollte. 1902 war er zum ersten Mal unter Kapitän Robert Falcon Scott, seinem späteren Rivalen, in die Antarktis gereist. 1908 leitete Shackleton eine Expedition, die weiter nach Süden vorstieß als alle Expeditionen vor ihm - bis knapp 100 Meilen an den Südpol heran.

Das Wettrennen um den Südpol gewann schließlich der Norweger Amundsen mit seinem Team im Jahre 1911, doch den größten Ruhm erlang Scott, der Amundsen folgte und mit seinen Männern auf dem Rückweg ums Leben kam. Der Südpol war nun erobert; um Amundsen und Scott zu übertreffen, plante Shackleton die Antarktis über den Südpol zu durchqueren. Die Finanzierung solcher Unternehmen war grundsätzlich sehr schwierig und so wurde der erfahrene australische Kameramann Frank Hurley ein wichtiges Expeditionsmitglied. Sollten seine Filme und Fotos ähnlichen Erfolg haben wie Herbert Pontings umjubelte Dokumente der Scott-Expedition, würden sie hoffentlich für einen Teil der Expeditionskosten aufkommen.

Filmstill South

Shackleton in Polarausrüstung

Filmstill South

Ein Crew-Mitglied versucht sich mit Kaiserpinguinen anzufreunden

Shackleton plante eine Landung an der Küste des Weddell-Meeres, um dann die Antarktis über den Südpol hinweg zum Ross-Meer zu durchqueren. Dort wollte man auf ein Unterstützungsteam treffen, das am anderen Ende des Kontinents stationiert war. Doch 80 Meilen vor dem Festland wurde sein Schiff, die Endurance, vom Packeis eingeschlossen. Shackleton und sein Team drifteten neun Monate hilflos Richtung Norden, bevor ihr Schiff vom Packeis zerquetscht wurde. Die Endurance musste geräumt werden und sank am 27. November 1915.

Shackleton hatte ursprünglich die Anweisung erteilt, soviel Ausrüstung wie möglich zurückzulassen, um den geplanten Marsch über das Eis nicht unnötig zu erschweren. Dies betraf auch Hurleys komplettes Filmmaterial und die sperrigen Foto-Glasplatten. Als sich jedoch herausstellte, dass ein solcher Marsch gänzlich undurchführbar war, kehrte die Mannschaft zum Schiff zurück und Hurley tauchte in das eisige Wasser des Laderaums, um seine Filme zu retten. Schweren Herzens musste er auf Anweisung Shackletons rund 400 Glasplatten zerstören, um seine Last zu verringern und um nicht in Versuchung zu geraten, diese später doch mitnehmen zu wollen. Die übrigen rund 150 Foto-Platten, seine wertvollen Filmnegative und einige Rollen Rohmaterial konnte er jedoch retten.

Shackleton und seine Männer hatten außerdem die drei verbliebenen Boote mitgenommen und trieben nun weitere fünf Monate auf Eisschollen Richtung Norden, bevor sie endlich die offene See erreichten und zur Elefanteninsel ruderten. Dort verblieb der größte Teil der Mannschaft, während Shackleton und fünf Männer eine heldenhafte Reise im offenen Boot durch 800 Meilen raue See antraten, bevor sie die unbewohnte Südküste Süd-Georgiens erreichten. Shackleton und zwei seiner Männer durchquerten die bergige Insel und erreichten nach 36 Stunden Marsch durch Eis und Schnee eine Walfangstation. Nach vier vergeblichen Versuchen gelang es Shackleton schließlich im August 1916, das Packeis zu besiegen und seine Männer zu retten.

Filmstill South

Schlittenhunde beim täglichen Training

Filmstill South Die James Caird, mit der Shackleton 800 Meilen über raue See nach Süd-Georgien zurücklegte.

Aufführungsgeschichte

1919 veröffentlichte Shackleton ein Buch über seine Expedition mit dem Titel South und hielt eine Vielzahl von Vorträgen, bei denen er Hurleys Film- und Fotomaterial benutzte. Mit einer vierten Expedition kehrte Shackleton 1921 in den Süden zurück, starb jedoch an einem Herzinfarkt auf Süd-Georgien, wo er auch begraben wurde. Sir Ernest Shackleton wurde nur 47 Jahre alt.

Hurleys Expeditionsfilm wurde erstmals 1919 unter dem Titel South in jener Fassung aufgeführt, die Shackleton für seine Vorträge verwendete. Später wurde der Film in unterschiedlichen Versionen sowohl als Vortragsfilm als auch als konventioneller Kinofilm international gezeigt, u.a. in Hurleys Heimat Australien, wo er 1920 unter dem Titel In the Grip of Polar Ice erschien. 1933 wurde ein Tonfilmversion namens Endurance: The Story of a Glorious Failure mit einem Kommentar von Frank Worsley, dem Kapitän des Schiffes, hergestellt.

Frank Hurley

Frank Hurley war ein hervorragender und mutiger Kameramann, dessen Interesse an seinen Sujets und an ihrer ästhetischen Inszenierung in jeder Einstellung deutlich wird. Da sich Hurley unter denjenigen Teammitgliedern befand, die auf der Elefanteninsel zurückgelassen worden waren, gibt es keine Aufnahmen von Überfahrt nach Süd-Georgien und der Inseldurchquerung. Hurley wurde jedoch später auf die Insel zurück geschickt, um dort Szenen zu drehen, die den Film vervollständigen sollten. Dazu gehört auch eine längere Sequenz über das Tierleben vor Ort, die für ihre Entstehungszeit einmalig ist. Die Aufnahmen von Shackletons triumphaler Ankunft in Chile wurden von einem chilenischen Kameramann gedreht.

Portrait Frank Hurley Frank Hurley

Die Filmkopie

Die in Erlangen gezeigte rekonstruierte Fassung des Films wurde vom National Film and Television Archive in London aus einer ganzen Reihe von Materialien zusammengestellt, u.a. einer Kopie und einem Negativ, die vom Verleiher Sir William Jury stammen, einer viragierten Fassung aus dem Nederlands Filmmuseum, und einer Reihe von Dias, die ursprüngliche den Film und die Vorträge begleitet hatten. Das NFTA hat daraus eine kolorierte und viragierte Fassung des Films hergestellt, die dem Ausgangsmaterial entspricht, und somit ein atemberaubendes und farbenprächtiges Zeugnis dieses bemerkenswerten Kapitels aus der Geschichte der großen Entdeckungen der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht.
Die StummFilmMusikTage Erlangen präsentieren Ihnen diese wertvolle Filmkopie mit Sondergenehmigung des National Film and Television Archive London als Deutschlandpremiere.

Das British Film Institute stellt auf einer Extra-Seite umfangreiches Zusatzmaterial zu South zur Verfügung. Klicken Sie einfach hier. Auf dieser Seite können Sie auch die DVD der restaurierten Fassung bestellen.

Quellen:
Shackleton, Sir Ernest. Mit der Endurance ins ewige Eis: Die Antarktisexpedition 1914-1917. München: Ullstein, 2000.
South: Sir Ernest Shackleton's Glorious Epic of the Antarctic. DVD. BFI.