Nach einer zermürbenden Zeit der Arbeitslosigkeit findet ein Schneidergeselle
(Karl Valentin), Sonderling und leidenschaftlicher Briefmarkensammler,
Anstellung beim Schneidermeister Kuhn. Mit den Frechheiten von Kuhns Nichte
Anni und deren Verehrer wird Valentin gerade noch fertig. Die aufdringliche
Zuneigung der Meisterin aber macht ihn ratlos. Da die Dame des Hauses
von seiner Schwäche für Briefmarken weiß, kauft sie für
100 Mark dem Gesellen die seltene bayerische Marke "Schwarze Eins"
und klebt sie ihm heimlich ins Album. Dort wird sie von der Polizei gefunden,
die in der Schneiderei erscheint, da einem Kunden ein Hundertmarkschein
aus der Weste gestohlen wurde. Valentin wird verhaftet, aber der Irrtum
klärt sich bald auf und er wird wieder entlassen. Die Schande, im
Gefängnis gewesen zu sein, ist ihm jedoch unerträglich; er glaubt,
alle Welt zeige mit Fingern auf ihn und will sich das Leben nehmen. Alle
Selbstmordversuche schlagen jedoch fehl: das Gas wird abgedreht, der Strick
ist zu kurz und Valentins Kopf ist härter als die Wand. Als ihn die
Frau Meisterin zu einer Motorradtour einladen will, gibt er zur Antwort:
»Ich bin doch nicht lebensmüde!«
Auch in Valentins Hochzeit entzieht sich Karl Valentin am Schluss
durch eilige Flucht der liebestollen Braut - neben dem komischen Effekt
sicher auch Ausdruck einer Grundhaltung der Verweigerung des Münchner
Komikers, Kabarettisten, Schriftstellers - und Filmpioniers. Auch wenn
Valentins hauptsächliches Aktionsfeld die Bühne war und sein
wichtigstes Ausdrucksmittel die Sprache, gelingen ihm im Sonderling
filmische Szenen von glänzender Situationskomik: so etwa der Aufmarsch
grotesker Typen im Büro am Anfang des Films, die sonntäglichen
Szenen mit der Frau Meisterin oder die Entlassung aus dem Gefängnis.
Valentins ausdrucksstarke Mimik und Gestik und seine spindeldürre
Figur, die er bewusst vor der Kamera einsetzt, verleihen ihm Qualitäten,
die ihn mit den großen Gestalten der Stummfilmszene, Charlie Chaplin
oder Buster Keaton, vergleichbar machen. Dabei hat seine teilweise bis
ins Absurde vordringende Komik fast immer ihre Wurzeln in der Realität
und stellt Haltungen und soziale Beziehungen dar. So auch im Sonderling,
in der der Schneidergeselle eine ähnliche Stellung zum Meister einnimmt,
wie sie Valentin einmal in einem Sketch kurz und komisch erklärte:
»Sie san net auf uns angwiesn, aber mir auf Eahna,des müassns
Eahna merka!«
Die Zusammenarbeit von Stefan Poetzsch (Erlangen) und Benjamin Boone (USA) begann 1995 im Studio des Atlantic Center for the Arts in Florida. Beide Musiker arbeiteten dort als Komponisten an verschiedenen Projekten. Im Zusammenspiel geht es beiden darum, trotz klassischer Ausbildung und dem Denken in kompositorischen Strukturen das Element der Improvisation nicht zu kurz kommen zu lassen. Durch den Einsatz verschiedener elektronischer Möglichkeiten werden die klanglichen Möglichkeiten von Viola/Violine und Sopran / Altsaxophon über die klassischen Grenzen hinaus ausgelotet.