Sherlock, Jr. (USA 1924)

Dauer:
45 min
Regie:
Drehbuch:
  • Clyde Bruckman
  • Jean C. Havez
  • Joseph A. Mitchell
Kamera:
  • Byron Houck
  • Elgin Lessley
Darsteller:
  • Buster Keaton
  • Kathryn McGuire.Joe Keaton
  • Ward Crane
  • Jane Connelly
  • Erwin Connelly
Musik und Ausführung:
Helmut Nieberle (Gitarre), Bob Rückerl (Bariton-Saxophon) Karsten Gnettner (Kontrabaß)
Filmstill Buster Keaton in City Lights

Buster, Filmvorführer in einem Kino, träumt davon, Detektiv zu sein. Im wirklichen Leben ist er allerdings eher Underdog und Pechvogel: im Werben um seine Geliebte wird er von seinem Rivalen übertölpelt, der eine Uhr gestohlen und versetzt hat und den Pfandschein in Busters Tasche geschmuggelt hat. Buster bekommt daraufhin Hausverbot bei seinem Mädchen. Enttäuscht und erschöpft schläft er während der Arbeit im Kino ein. Im Traum spielen in dem Film, den Buster gerade vorführt, plötzlich auch das Mädchen und sein Nebenbuhler mit. Buster mischt sich ein, springt in die Leinwand und wird nach einigen Schwierigkeiten schließlich als Mitakteur aufgenommen. Er tritt als der große Detektiv Sherlock Jr. auf, der die Schurkerei des Rivalen enthüllt und seine Geliebte aus dessen Gewalt befreit. In diesem Moment erwacht Buster. Das Mädchen kommt und erzählt ihm, dass inzwischen seine Unschuld erwiesen wurde - Happy End auch im wirklichen Leben.
Sherlock Jr. enthält zahllose turbulente Sequenzen und raffinierte Tricks, die über ihre Komik und technische Brillanz hinaus auch eine Reflexion auf das Medium und seine Macht sind und auf das Verhältnis von Filmemachen und wirklichem Leben. Busters Traum wird mit dem Film, den er vorführt, zur Deckung gebracht. Die Überleitungen sind dabei rein visuell, also nicht durch Zwischentitel, mittels Doppelbelichtung gestaltet: man sieht, wie der wache Geist den schlafenden Körper verlässt, durch den Kinoraum geht und in das Bild auf der Leinwand springt. Dort wird er gepackt und wieder zurückgeworfen. Buster gibt nicht auf und unternimmt einen zweiten Anlauf, die zu einer erstaunlichen Passage führt. In ihr spielt Keaton lange und ausgiebig mit dem Schnitt. Buster will sich auf eine Bank setzen - Schnitt. Er landet auf einer harten Bordsteinkante. Während der ganzen Sequenz wird der Blick des Zuschauers thematisiert: die Leinwand ist als Leinwand zu sehen. Erst nach dem letzten Schnitt fährt die Kamera so weit vor, dass das Bild auf der Leinwand mit dem Filmbild identisch wird. Als Buster aus seinem Traum vom Leben als brillanter Detektiv erwacht, ist er wieder der hilflose Tollpatsch wie zuvor. Das Mädchen erzählt ihm, dass es ihn wieder liebt, weil sie den Betrug seines Rivalen entdeckt hat. Buster weiß jedoch nicht, wie er sich in seinem eigenen Happy End verhalten soll. Da kommt ihm die Leinwand zu Hilfe: durch das Projektionsfenster sieht er, wie der Held im Film seiner Liebsten einen Handkuss gibt. Buster tut es ihm gleich und er folgt auch den Filmbildern, als das Mädchen auf der Leinwand einen Ring und einen richtigen Kuss bekommt. Als in der letzten Einstellung sich das Glück der beiden durch ein Zwillingspärchen vollendet, kratzt sich Buster nachdenklich am Kopf.