Safety Last (Ausgerechnet Wolkenkratzer/Sicherheit spielt keine Rolle) (USA 1923)

Dauer:
78 min
Regie:
  • Fred Newmeyer
  • Sam Taylor
Drehbuch:
  • Hal Roach
  • Sam Taylor
  • Tim Whelan
Darsteller:
  • Harold Lloyd
  • Mildred Davis
  • Bill Strothers
  • Noah Young
  • Westcott B. Clarke
Musik:
Carl Davis
Ausführung:
ensemble KONTRASTE
Leitung:
Frank Strobel
Filmkopie:
Photoplay Productions
Filmstill Harold Lloyd in Safety Last

Inhalt

Um endlich reich zu werden und "das Mädchen" (Mildred Davis) heiraten zu können, zieht »der Junge« (Harold Lloyd) in die große Stadt. Doch das Glück liegt auch dort nicht auf der Straße, und so landet er als Verkäufer hinter einer Ladentheke. Als sich seine Verlobte ankündigt, um den "erfolgreichen Geschäftsmann" zu besuchen, muss Harold sprichwörtlich seinen Hals riskieren, um in letzter Minute doch noch zu Geld zu kommen. Er ersinnt eine große Werbekampagne für die Firma, bei der er angestellt ist: die Ersteigung eines Wolkenkratzers für $1000. Durch eine Verkettung unglücklicher Umstände ist schließlich er es, der in schwindelnder Höhe über dem Abgrund hängt. An den Zeigern einer riesigen Uhr kämpft er nun um den allumfassenden Erfolg (Geld, Leben und das Mädchen) oder den tödlichen Absturz.

Filmstill Safety Last

Kaum jemand hat den Wolkenkratzer kongenialer als das prototypische amerikanische Erfolgssymbol in Szene gesetzt als Harold Lloyd. Der Aufstieg seines Helden ist hier eine tatsächliche Gipfelbezwingung, und die Zeit spielt, überdeutlich in Szene gesetzt, den alles entscheidenden Faktor: Time is Money.
Harold Lloyd gilt als der »king of daredevil comedy«. Er gerät von einer aberwitzigen Situation in die nächste, immer am Rande des Abgrunds und doch das Happy End fest im Blick. Er verzichtet dabei auf die Tragik eines Buster Keaton oder die anarchische Romantik eines Charlie Chaplin. Mit Kreissäge und Brille gibt er den netten jungen Mann von Nebenan, ein Kind des optimistischen Jazz-Zeitalters, in dem es jeder auf den Gipfel schaffen kann, wenn er nur daran glaubt. Seine vollständige Identifikation mit dem Zeitgeist in seinen Filmen brachte ihm den größten Kassenerfolg aller Stummfilmkomiker. Seine haarsträubenden Suspense Szenen würden selbst Alfred Hitchcock zur Ehre gereichen.

Filmstill Safety Last

Der berühmteste Stunt der Filmgeschichte

Safety Last ist bestes Beispiel für die sog. »Thrill Comedy«, jenen Typus der spannungsgeladenen Komödie, die zu Harold Lloyds Markenzeichen wurde. Lloyds Szenen an der riesigen Wolkenkratzeruhr gehören zu den berühmtesten Szenen der Filmgeschichte. Da Safety Last als »Thrill Picture« konzipiert war, begannen auch die Dreharbeiten mit der Wolkenkratzer-Szene. Hierbei wurde keinerlei Trickfotografie (etwa Spiegel, Miniaturen oder Doppelbelichtungen) verwendet. Fast immer sieht man Lloyd höchstpersönlich an der tatsächlichen Fassade über den Strassen von Los Angeles baumeln - nur in wenigen Totalen ließ er sich doubeln). Dennoch war der Aufstieg des Harold Lloyd nicht ganz so gefährlich, wie es für das Publikum den Anschein hat. Geschickt gewählte Kamerawinkel, die Perspektive und Distanz überbetonen, steigern den Effekt. Plattformen und Auffangnetze sollten einen eventuellen Sturz auffangen - auch wenn die Legende besagt, dass eine Puppe beim Testversuch glatt bis auf den Asphalt durchschlug.
Bei der New Yorker Premiere des Films überredete man einen Fassadenkletterer, es Lloyd an einem höheren Gebäude gleich zu tun. Der Mann rutschte an einem Sims im 32. Stockwerk ab und stürzte in den Tod. Dennoch war Safety Last bei seinem Start ein rauschender Erfolg beschieden: Die New York Times urteilte: »Wenn die Leute nicht in ihren Sitzen hin und her rutschen, dann klammern sie sich an die Sessel, um ruhig zu bleiben. Obwohl auf jeden Spannungsmoment rasch eine Lachnummer folgt, hält die Spannung doch lange genug an, um einem Mann jenes Schwindelgefühl zu vermitteln, das man verspürt, wenn man aus dem zwölften Stockwerk nach unten sieht.«

Filmstill Safety Last

Zur Musik

Komponist Carl Davis orientierte für Safety Last an Gershwin, Kern und anderen populären Komponisten der Zwanziger, um den Glanz und den Schwung dieser Ära einzufangen. Seine Interpretation des Films beschreibt Davis mit den Worten: "Harold Lloyd ist ein Vertreter der Zwanziger. Ein Durchschnittsamerikaner, immer optimistisch, immer ein Siegertyp. Diesen Optimismus, dieses heitere und beschwingte Gefühl des Showbusiness wollte ich in der Musik wiedergeben." Für den Höhepunkt des Films griff Davis auf klassische Techniken des Melodrams zurück, indem er die Spannung des Aufstiegs Note für Note spiegelt. Jeder neuerliche nervenaufreibende Zwischenfall findet ihren Widerhall in der Musik, so dass die Spannung und die Atmosphäre größter Gefahr bis zum Höhepunkt gesteigert werden. Carl Davis' Musik zu Safety Last präsentieren wir Ihnen mit freundlicher Genehmigung von Faber Music Ltd.

Alle Photos mit freundlicher Genehmigung von Photoplay Productions