Um endlich reich zu werden und "das Mädchen" (Mildred Davis) heiraten zu können, zieht »der Junge« (Harold Lloyd) in die große Stadt. Doch das Glück liegt auch dort nicht auf der Straße, und so landet er als Verkäufer hinter einer Ladentheke. Als sich seine Verlobte ankündigt, um den "erfolgreichen Geschäftsmann" zu besuchen, muss Harold sprichwörtlich seinen Hals riskieren, um in letzter Minute doch noch zu Geld zu kommen. Er ersinnt eine große Werbekampagne für die Firma, bei der er angestellt ist: die Ersteigung eines Wolkenkratzers für $1000. Durch eine Verkettung unglücklicher Umstände ist schließlich er es, der in schwindelnder Höhe über dem Abgrund hängt. An den Zeigern einer riesigen Uhr kämpft er nun um den allumfassenden Erfolg (Geld, Leben und das Mädchen) oder den tödlichen Absturz.
Kaum jemand hat den
Wolkenkratzer kongenialer als das prototypische amerikanische Erfolgssymbol
in Szene gesetzt als Harold Lloyd. Der Aufstieg seines Helden ist hier
eine tatsächliche Gipfelbezwingung, und die Zeit spielt, überdeutlich
in Szene gesetzt, den alles entscheidenden Faktor: Time is Money.
Harold Lloyd gilt als der »king of daredevil comedy«. Er gerät
von einer aberwitzigen Situation in die nächste, immer am Rande des
Abgrunds und doch das Happy End fest im Blick. Er verzichtet dabei auf
die Tragik eines Buster Keaton oder die anarchische Romantik eines Charlie
Chaplin. Mit Kreissäge und Brille gibt er den netten jungen Mann
von Nebenan, ein Kind des optimistischen Jazz-Zeitalters, in dem es jeder
auf den Gipfel schaffen kann, wenn er nur daran glaubt. Seine vollständige
Identifikation mit dem Zeitgeist in seinen Filmen brachte ihm den größten
Kassenerfolg aller Stummfilmkomiker. Seine haarsträubenden Suspense
Szenen würden selbst Alfred Hitchcock zur Ehre gereichen.
Safety Last ist bestes Beispiel für die sog. »Thrill Comedy«,
jenen Typus der spannungsgeladenen Komödie, die zu Harold Lloyds
Markenzeichen wurde. Lloyds Szenen an der riesigen Wolkenkratzeruhr gehören
zu den berühmtesten Szenen der Filmgeschichte. Da Safety Last
als »Thrill Picture« konzipiert war, begannen auch die Dreharbeiten
mit der Wolkenkratzer-Szene. Hierbei wurde keinerlei Trickfotografie (etwa
Spiegel, Miniaturen oder Doppelbelichtungen) verwendet. Fast immer sieht
man Lloyd höchstpersönlich an der tatsächlichen Fassade
über den Strassen von Los Angeles baumeln - nur in wenigen Totalen
ließ er sich doubeln). Dennoch war der Aufstieg des Harold Lloyd
nicht ganz so gefährlich, wie es für das Publikum den Anschein
hat. Geschickt gewählte Kamerawinkel, die Perspektive und Distanz
überbetonen, steigern den Effekt. Plattformen und Auffangnetze sollten
einen eventuellen Sturz auffangen - auch wenn die Legende besagt, dass
eine Puppe beim Testversuch glatt bis auf den Asphalt durchschlug.
Bei der New Yorker Premiere des Films überredete man einen Fassadenkletterer,
es Lloyd an einem höheren Gebäude gleich zu tun. Der Mann rutschte
an einem Sims im 32. Stockwerk ab und stürzte in den Tod. Dennoch
war Safety Last bei seinem Start ein rauschender Erfolg beschieden:
Die New York Times urteilte: »Wenn die Leute nicht in ihren Sitzen
hin und her rutschen, dann klammern sie sich an die Sessel, um ruhig zu
bleiben. Obwohl auf jeden Spannungsmoment rasch eine Lachnummer folgt,
hält die Spannung doch lange genug an, um einem Mann jenes Schwindelgefühl
zu vermitteln, das man verspürt, wenn man aus dem zwölften Stockwerk
nach unten sieht.«
Komponist Carl Davis orientierte für Safety Last an Gershwin, Kern und anderen populären Komponisten der Zwanziger, um den Glanz und den Schwung dieser Ära einzufangen. Seine Interpretation des Films beschreibt Davis mit den Worten: "Harold Lloyd ist ein Vertreter der Zwanziger. Ein Durchschnittsamerikaner, immer optimistisch, immer ein Siegertyp. Diesen Optimismus, dieses heitere und beschwingte Gefühl des Showbusiness wollte ich in der Musik wiedergeben." Für den Höhepunkt des Films griff Davis auf klassische Techniken des Melodrams zurück, indem er die Spannung des Aufstiegs Note für Note spiegelt. Jeder neuerliche nervenaufreibende Zwischenfall findet ihren Widerhall in der Musik, so dass die Spannung und die Atmosphäre größter Gefahr bis zum Höhepunkt gesteigert werden. Carl Davis' Musik zu Safety Last präsentieren wir Ihnen mit freundlicher Genehmigung von Faber Music Ltd.
Alle Photos mit freundlicher Genehmigung von Photoplay Productions