Christine Daaé (Mary Philbin), eine junge Sängerin an der Pariser Oper, wird von einer geheimnisvollen und verführerischen Stimme, die aus den Wänden ihrer Garderobe zu ihr dringt, zum gefeierten Star gemacht. Die Stimme gehört einem Maskierten (Lon Chaney), der ihr bald seine Liebe gesteht und von ihr verlangt, ihren Verlobten aufzugeben, um sich ganz der Musik widmen zu können. Niemals, so befiehlt er, dürfe sie versuchen, sein Gesicht zu sehen. Als Christine ihr Versprechen bricht und hinter der Maske die grauenerregende Fratze ihres Gönners erblickt, ist die Rache des Phantoms fürchterlich...
Im Jahre 1910 erschien
der Roman Le Fantôme de l'Opéra des Journalisten Gaston
Leroux. Die Geschichte um die geheimnisvollen Vorgänge in und vor
allem unter der Pariser Oper wird schnell ein internationaler Bestseller.
Als Regisseur Julian den Stoff las, gab es für ihn nur einen Mann,
der die tragende Rolle des Phantoms spielen konnte: Lon Chaney, der "Mann
mit den 1000 Gesichtern". Chaney galt als der wandlungsfähigste
Schauspieler Amerikas und wurde durch sein subtiles Spiel und seine Vorliebe
für extreme Makeups zum gefeiertsten Star des stummen Horrorfilms.
Dennoch war The Phantom of the Opera zunächst alles andere
als ein Renner. Nach zehnwöchigen Dreharbeiten zeigte man einen Rohschnitt
des Films in einem Preview. Die Reaktionen waren eindeutig: zu viel Schauer-Melodram,
zuwenig Humor, zu wenig Romantisches und ein unglaubwürdiges Ende
(die Erlösung des Phantoms durch den Kuss der Heldin).
Das Studio reagierte und bestellte Edward Sedgwick als Ersatz für
Regisseur Julian. Sedgwick, ein Spezialist für Komödien und
Actionfilme, drehte etliche neue Szenen und fügte ein dynamischeres
Ende, inklusive einer atemberaubenden Verfolgungsjagd, an. Auch dieser
Fassung war kein Glück vergönnt, und so wurde ein Großteil
der neuen Szenen wieder entfernt und nur die Schlusssequenz beibehalten.
Erst in dieser Fassung wird Das Phantom der Oper zum Kassenknüller
und zur berühmtesten Verfilmung des Stoffes überhaupt.
Im Jahre 1929 beschlossen die Universal Studios eine Fortsetzung des Phantoms
als Tonfassung in 2-Farb-Technicolor zu drehen. Da Chaney nicht mehr zur
Verfügung stand, entschied man sich, die alte Fassung zu vertonen
und neu auf den Markt zu bringen. Man schoss zusätzliche Dialogszenen
und veränderte die Opernszenen so, dass Mary Philbin nun auf der
Tonspur passend zu ihrem Auftritt in der Oper Faust synchronisiert werden
konnte. Chaneys Vertrag schloß eine Synchronisierung seines Parts
aus, so dass seine Szenen stumm blieben.
Um auch die Kinobesitzer ohne Tonapparaturen zufrieden stellen zu können,
wurde parallel eine stumme Fassung erstellt, in der die neuen Opernszenen
ebenfalls enthalten sind und einige Szenen aus der stummen Originalfassung
entfernt wurden.
Diese Werksgeschichte verkomplizierte die Restaurierung des Films erheblich:
Von der Tonfassung aus dem Jahre 1929 sind nur noch die Schallplatten
erhalten, die stumme Originalversion aus dem Jahre 1925 überlebte
dagegen nur in qualitativ ungenügenden 16mm Kopien. Einzig die stumme
1929-Version ist als Originalnegativ erhalten, so dass diese Fassung als
Ausgangsmaterial für die Restaurierung diente.
Wie die meisten Stummfilme war auch das Phantom nicht schwarz-weiß,
sondern in unterschiedlichen Farben viragiert. Die spektakuläre Maskenballsequenz
wurde gar im neuen Zweifarb-Technicolor Verfahren gedreht. Für die
Szenen auf dem Dach der Oper kam der sog. Handschiegl-Prozeß zum
Einsatz, mit dem einzelne Teile des Filmbildes in einem halbmaschinellen
Verfahren gefärbt wurden. Keiner dieser Farbeffekte hat auf dem 35mm-Ausgangsmaterial
überlebt, doch konnte die vorliegende Fassung z.T. mit anderem Material
ergänzt, z.T. digital gefärbt werden, so dass Sie heute Das
Phantom der Oper in seiner ganzen Farbenpracht genießen können.
Alle Photos mit freundlicher Genehmigung von Photoplay Productions