Phantom of the Opera (Das Phantom der Oper)(USA 1925/29)

Dauer:
93 min
Regie:
  • Rupert Julian
  • Edward Sedwick
Drehbuch:
  • Elliot Clawson
  • nach dem gleichnamigen Roman von Gaston Leroux
Darsteller:
  • Lon Chaney
  • Mary Philbin
  • Norman Kerry
  • Snitz Edwards
  • Arthur Edmund Carewe
Musik (UA) und Leitung:
Eberhard Klemmstein
Ausführung:
  • Sylvia Reichardt
  • Alexander Klemmstein
  • Christoph Spehr
Filmkopie:
Christoph Spehr
Filmstill Phantom of the Opera

Inhalt

Christine Daaé (Mary Philbin), eine junge Sängerin an der Pariser Oper, wird von einer geheimnisvollen und verführerischen Stimme, die aus den Wänden ihrer Garderobe zu ihr dringt, zum gefeierten Star gemacht. Die Stimme gehört einem Maskierten (Lon Chaney), der ihr bald seine Liebe gesteht und von ihr verlangt, ihren Verlobten aufzugeben, um sich ganz der Musik widmen zu können. Niemals, so befiehlt er, dürfe sie versuchen, sein Gesicht zu sehen. Als Christine ihr Versprechen bricht und hinter der Maske die grauenerregende Fratze ihres Gönners erblickt, ist die Rache des Phantoms fürchterlich...

Im Jahre 1910 erschien der Roman Le Fantôme de l'Opéra des Journalisten Gaston Leroux. Die Geschichte um die geheimnisvollen Vorgänge in und vor allem unter der Pariser Oper wird schnell ein internationaler Bestseller. Als Regisseur Julian den Stoff las, gab es für ihn nur einen Mann, der die tragende Rolle des Phantoms spielen konnte: Lon Chaney, der "Mann mit den 1000 Gesichtern". Chaney galt als der wandlungsfähigste Schauspieler Amerikas und wurde durch sein subtiles Spiel und seine Vorliebe für extreme Makeups zum gefeiertsten Star des stummen Horrorfilms.
Dennoch war The Phantom of the Opera zunächst alles andere als ein Renner. Nach zehnwöchigen Dreharbeiten zeigte man einen Rohschnitt des Films in einem Preview. Die Reaktionen waren eindeutig: zu viel Schauer-Melodram, zuwenig Humor, zu wenig Romantisches und ein unglaubwürdiges Ende (die Erlösung des Phantoms durch den Kuss der Heldin).
Das Studio reagierte und bestellte Edward Sedgwick als Ersatz für Regisseur Julian. Sedgwick, ein Spezialist für Komödien und Actionfilme, drehte etliche neue Szenen und fügte ein dynamischeres Ende, inklusive einer atemberaubenden Verfolgungsjagd, an. Auch dieser Fassung war kein Glück vergönnt, und so wurde ein Großteil der neuen Szenen wieder entfernt und nur die Schlusssequenz beibehalten. Erst in dieser Fassung wird Das Phantom der Oper zum Kassenknüller und zur berühmtesten Verfilmung des Stoffes überhaupt.

Filmstill Phantom of the Opera

Odyssee eines Klassikers

Im Jahre 1929 beschlossen die Universal Studios eine Fortsetzung des Phantoms als Tonfassung in 2-Farb-Technicolor zu drehen. Da Chaney nicht mehr zur Verfügung stand, entschied man sich, die alte Fassung zu vertonen und neu auf den Markt zu bringen. Man schoss zusätzliche Dialogszenen und veränderte die Opernszenen so, dass Mary Philbin nun auf der Tonspur passend zu ihrem Auftritt in der Oper Faust synchronisiert werden konnte. Chaneys Vertrag schloß eine Synchronisierung seines Parts aus, so dass seine Szenen stumm blieben.
Um auch die Kinobesitzer ohne Tonapparaturen zufrieden stellen zu können, wurde parallel eine stumme Fassung erstellt, in der die neuen Opernszenen ebenfalls enthalten sind und einige Szenen aus der stummen Originalfassung entfernt wurden.

Die Restaurierung

Diese Werksgeschichte verkomplizierte die Restaurierung des Films erheblich: Von der Tonfassung aus dem Jahre 1929 sind nur noch die Schallplatten erhalten, die stumme Originalversion aus dem Jahre 1925 überlebte dagegen nur in qualitativ ungenügenden 16mm Kopien. Einzig die stumme 1929-Version ist als Originalnegativ erhalten, so dass diese Fassung als Ausgangsmaterial für die Restaurierung diente.
Wie die meisten Stummfilme war auch das Phantom nicht schwarz-weiß, sondern in unterschiedlichen Farben viragiert. Die spektakuläre Maskenballsequenz wurde gar im neuen Zweifarb-Technicolor Verfahren gedreht. Für die Szenen auf dem Dach der Oper kam der sog. Handschiegl-Prozeß zum Einsatz, mit dem einzelne Teile des Filmbildes in einem halbmaschinellen Verfahren gefärbt wurden. Keiner dieser Farbeffekte hat auf dem 35mm-Ausgangsmaterial überlebt, doch konnte die vorliegende Fassung z.T. mit anderem Material ergänzt, z.T. digital gefärbt werden, so dass Sie heute Das Phantom der Oper in seiner ganzen Farbenpracht genießen können.

Filmstill Phantom of the Opera

Alle Photos mit freundlicher Genehmigung von Photoplay Productions