Pat (Harald Miehe-Madsen) & Patachon (Carl Schenstrøm) - im Original Fyrtårnet og Bivognen (»Leuchtturm und Beiwagen«) - beschließen ihr Glück als Fischer zu versuchen und ziehen an die Nordsee, wo sie auf recht unangenehme Weise Bekanntschaft mit Wind und Meer machen. Zwar erhalten sie von einigen wenigen auch Unterstützung in ihrem gewagten Unterfangen, doch dem Großteil der Dorfgemeinschaft sind die Neuankömmlinge ein Dorn im Auge. So sehen sich die beiden Helden mit nächtlichen Geisterprozessionen und turbulenten Verfolgungen konfrontiert, die jedoch von einem Schiffbruch überschattet werden. Dieser führt schließlich nicht nur zur Aufdeckung der bisher ungeklärten Identität eines Findelkinds, sondern erlaubt es Pat und Patachon auch dessen Familie wieder zusammenzuführen und so das Happy End perfekt zu machen.
Vester-Vov-Vov wird
sowohl von den Beteiligten als auch von Kritikern als die wahrscheinlich beste
Zusammenarbeit von Regisseur Lau Lauritzen und dem Komikerduo Madsen und Schenstrøm
bezeichnet. Die in mehreren gemeinsamen Jahren ausgefeilte Zusammenarbeit der
beiden Komiker trägt dazu wohl ebenso bei wie die Regie Lauritzens. Er
verknüpft für die frühe Komödie relativ vielschichtige Handlungsstränge
mit frischer Situationskomik und schreckt, wenn es um die gute Unterhaltung
des Publikums geht, auch vor extremen Maßnahmen nicht zurück. Carl
Schenstrøm erinnert sich später an die turbulenten Außenaufnahmen,
die den besonderen Charme dieser Komödie ausmachen:
»Für unsere Späße mußten recht sinnreiche Mechanismen
konstruiert werden. Da gab es ein Unterwasserkarussell [
], ein großer
Flugzeugpropeller blies massenweise Sand
über uns, [
] in weiteren
Szenen mussten wir auf den Flügeln eines Flugbootes stehen [
]. Für
die Strandung wurde eine alte Schute gekauft [
] jetzt sollte es auf Grund
setzen, aber es lief weiter und weiter auf die Kamera zu, so als ob es ganz
auf Land laufen wollte. Hier hatte Lau (Lauritzen) mit Mächten zu tun,
die seinen Anweisungen nicht gehorchten.«
Mit diesem Problem hatte der erfolgsverwöhnte Regisseur Lau Lauritzen nur selten zu kämpfen. Über die Umwege einer Militärkarriere, kam er 1911 als Drehbuchautor zum Film. Als er 1914 bei der Nordisk-Filmgesellschaft, nach Gaumont und Pathé die wichtigste der frühen Filmgesellschaften, einstieg, wurde er mit teilweise über 40 Produktionen pro Jahr deren produktivster und erfolgreichster Regisseur. In den absatzschwachen Kriegsjahren galt als größte finanzielle Sicherheit der Nordisk. Sein Erfolg blieb auch im Ausland nicht unbemerkt, weswegen ihn die schwedische Palladium-Gesellschaft abwarb. Hier lockte komplette künstlerische Freiheit und mit Svend Nielsen ein Produzent, der Lauritzens Begeisterung für die Entwicklung eines Groteskkomikerpaares teilte. Gemeinsam mit Nielsen gründet Lauritzen später die dänische Palladium, die sich in ihren Anfangsjahren komplett der Produktion der Pat & Patachon-Filme verschrieb. Als Lauritzen 1919 als künstlerische Leiter zur Palladium wechselte, nahm er einige seiner besten und beliebtesten Schauspieler mit, unter ihnen Carl Schenstrøm.
Der hoch aufgeschossene Schenstrøm, später als Pat unvergessen,
kam ursprünglich vom Theater, wandte sich dann aber zunehmend dem
lukrativeren Film zu. Unter Lauritzen kam sein komisches Talent zu voller
Reife, nachdem er zuvor bei Nordisk vor allem auf die Darstellung von
Schurken und anderen düsteren Charakteren spezialisiert war.
Lange schon hatte Lauritzen den Plan seinen wandlungsfähigen Schützling
in Komödien mit einem kleinen, dicken Schauspieler zu paaren. Für
drei Filme stellte Lauritzen Schenstrøm zunächst den Schauspieler
Aage Bendixen als Partner zur Seite. Zwar liefen die Filme noch nicht
unter dem späteren Namen Fyrtårnet og Bivognen, kurz
Fy og Bi, sie folgen aber bereits derselben komischen Grundstruktur.
Trotz des kommerziellen Erfolgs der Filme war Lauritzen von dieser Kombination
jedoch nicht überzeugt. Erst als er durch seinen Produzenten Nielsen
auf den Artisten und Clown Harald Miehe-Madsen aufmerksam gemacht wurde,
war Lauritzens Traumpaar perfekt.
Madsen hatte bereits unter
Mauritz Stiller in einem Film mitgewirkt, konnte sich aber vom Zirkus nicht
dauerhaft trennen. Auch die langjährigen Erfolge als Patachon hielten ihn
später nicht davon ab, wieder zum Zirkus zurückzukehren.
Ihr unvergleichliches
Zusammenspiel machte Schenstrøm und Madsen zu dem dänischen Filmexportschlager
der zwanziger Jahre. Während im Bereich der ernsten Films Schweden und
Deutschland dem ehemaligen Marktführer Dänemark den Rang abliefen,
blieben Pat & Patachon jahrzehntelang das beliebteste und erfolgreichste
Komikerduo in ganz Europa. Pat & Patachon verkörpern nicht nur optisch
Gegensätze, sondern stehen sich auch als Melancholiker und Lebemann gegenüber.
Wie bei vielen anderen Komikerpaaren leben ihre Filme von der abwechselnden,
latenten Aggression gegen den anderen und der Abhängigkeit voneinander.
Wichtiger noch ist in ihrem Fall oppositionelle Haltung gegenüber ihrer
Umwelt. Im Großteil ihrer Filme sind sie Vagabunden, die eine Freiheit
jenseits normativer Bürgerlichkeit genießen. Sie repräsentieren
eine beinahe kindliche Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft gegenüber allen
gesellschaftlich Benachteiligten. Hinter ihrem farcenhaften, von Improvisation
und Spontaneität geprägten Spiel, verstecken sich also auch immer
humane Ideale. Das und die häufige Einbindung von Liebesplots verleihen
ihren Filmen neben all den waghalsigen Verfolgsjagden und flotten Actionszenen
eine unterschwellige Romantik, die durch Lauritzens Gespür für die
dänische Landschaft noch unterstrichen wird.
Die über 20 Jahre anhaltende Zusammenarbeit began 1921 mit dem Film Langliggeridyl - Vandgang (Sommerfrischleridyll im Wasser), der jedoch erst im darauf folgenden Jahr in die Kinos kam, weswegen Film, Flirt og Forlovelse (Film, Flirt und Verlobung) die erste Begegnung des Publikums mit dem Komikerduo darstellte. Über 40 weitere Filme mit Madsen und Schenstrøm entstanden, jedoch nicht alle davon unter der Regie des Erfinders Lauritzen, denn bald folgten Angebote aus dem europäischen Ausland. So wurden später vor allem in Deutschland auch Pat & Patachon-Tonfilme produziert, die jedoch die Qualität der frühen, skandinavischen Stummfilme nicht mehr erreichen konnten.
Dass Pat und Patachon heute hinter den berühmten amerikanischen Komikern wie Chaplin, Keaton oder Laurel & Hardy zurückstehen müssen, mag verschiedene Gründe haben. An der zeitgenössischen Reaktion von Kritik und Publikum kann es indes nicht gelegen haben:
»[...] diese einzigartige
Komödie von "Pat und Patachon am Nordseestrand" zeigt die beiden
beliebten Darsteller von ihrer besten Seite. Das ist ein erfreuliches, kunterbuntes
Durch-, Nach- und Nebeneinander von übermütigen Gedanken, schelmischen
Drolerien und scharf umrissenen komischen Szenen, dass kein Auge trocken bleibt.
Die beiden großen Mimen haben damit ihr Meisterwerk gestellt.«
Nachrichten für Stadt und Land, Oldenburg, Nr. 332, 7.12.1927
»[...] Das Wall-Licht hat Pat und Patachon in Pelikanien noch bis Donnerstag
einschließlich verlängert, denn in den letzten drei Tagen
war nur nach stundenlangem Anstehen schon nachmittags kaum Platz zu bekommen...«
Nachrichten für Stadt und Land, Nr. 66, 7.3.1928
»[.. ] Man geriet in
eine bürgerliche Komödie mit glücklichem Ende – das war kein
Slapstick. Lau Lauritzens Phantasie sprudelt weiter, munter und unaufhörlich«
»A.N.« in Stockholms Tidningen, 8.11.1927
»Eine angenehme, muntere,
echte dänische Volkskomödie von der jütischen Westküste
- Lau Lauritzen hat sie vortrefflich inszeniert. Nach diesen Glanzleistungen
donnerte der Beifall, das Publikum erhob sich zu Ehren von Pat und Patachon
in ihrer Loge.«
in Nationaltidende, Kopenhagen, 15.10. 1927
»Man muss sich eben
amüsieren, ob man will oder nicht.«
Berliner Nachtausgabe, 9.9. 1927