Paris Qui Dort ist ein Kontrast zwischen Bewegung und Leblosigkeit.
Einige auf dem Eiffelturm befindliche Pariser sind als Einzige dem Anschlag
eines verrückten Gelehrten entgangen und finden eine in tiefem Schlaf
versunkene Stadt vor.
Typisch für Clair ist das Changieren zwischen Slapstick- und Sciencefiction-Elementen
einerseits und avantgardistischer Dada-Collagetechnik andererseits, die
die filmischen Möglichkeiten überraschender, alogischer Bildverknüpfung
gegen die Erwartung des Publikums ausspielt. Vor allem das Anhalten, das
Vor- und Zurückdrehen der Bewegung, begeisterte die Dadaisten.
Der Startschuß für das Vorhaben wurde bei den Projekttagen
am Marie-Therese-Gymnasium Ende Juli 1996 gegeben, als eine Arbeitsgruppe
unter der Leitung von Studienrat Harald Luft sich erstmals Gedanken über
die Vertonung des Rene Clair-Films Paris Qui Dort machte. Ziel
war es, die vorhandenen Fähigkeiten der Schüler optimal einzubringen,
unterschiedliche Vorbildung und die stilistische Bandbreite zwischen "klassischer"
Klaviermusikausbildung und Rockband-Praxis kreativ nutzbar zu machen und
zu einem stimmigen Gesamtkonzept zu verschmelzen.
Am Anfang standen große Begeisterung für eine ungewohnt reizvolle
Aufgabe und gehörige Skepsis nebeneinander, dieser Anforderung einer
Live-Musik zum Film mit allen innewohnenden Risiken gewachsen zu sein.
Welche Fähigkeiten können eingebracht werden? Wie sind einzelne
Ideen miteinander zu verknüpfen, dass ein musikalischer Spannungsbogen
entsteht? Gelingt es, einzelne musikalische Impulse zu einem übergeordneten
Ganzen zusammenzuführen, ohne den singulären Eindruck des Films
zu überlagern oder zu stören?
Bei der nun folgenden Arbeit bewährte es sich, dass ein in den Projekttagen
erstelltes detailliertes Szenenraster mit genauer Zeitleiste bereits vorlag.
Man konnte ans Werk gehen: Einzelne Schülergruppen erhielten zu einzelnen
Sequenzen genau umrissene "Kompositions"-Aufträge, die
mit mehr oder weniger Lehrerunterstützung in Angriff genommen wurden.
Drei Grundelemente bilden den Ausgangspunkt der Vertonung: Geräusch,
Stimmenimitation und Musik. Der musikalische Bereich umfasst dabei unterschiedliche
Klangwelten, die kontrastieren oder sich vermischen: Chor in kleiner und
großer Besetzung, Perkussion mit und ohne Stabspiel, solistisches
Akkordeon und Rockband, in einzelnen Filmsequenzen ergänzt um Soloklavier
und Saitenmusik (Zither, Mandoline, Gitarre, Kontrabaß). Jede Klangwelt
hat bestimmte thematische Bezüge. Diese musikalische Ebene wird durch
Geräuscheffekte und Stimmenimitation ergänzt.