Opus II-IV (D 1921–25)

Dauer:
insgesamt 20 min
Regie und Ausführung:
Walther Ruttmann
Musik:
Thilo Medek
Ausführung:
Cabaza und ensemble KONTRASTE
Leitung:
Frank Strobel
Filmstill Opus II-IV (D 1921–25)

Ruttmanns Hinwendung zum Film ist konsequent. Durch die Emanzipation der malerischen Mittel Farbe und Form vom Gegenstand war es ihm gelungen, die Möglichkeiten der Malerei zu erweitern; erst mit beweglichen Bildern, im Film also, sah Ruttmann den eigentlichen Durchbruch zu dem, was die Aufgabe der Bildenden Kunst zu sein hatte: die Darstellung von Tempo, Rhythmus und Geschwindigkeit als den Hauptmerkmalen der Zeit. Ruttmann hatte den Film stets bewundert, das "Romanhafte" des Films, also das traditionelle Handlungsgerüst, die narrative Grundstruktur jedoch abgelehnt. Stattdessen sollte der neue Film, der ihm vorschwebte, auf jegliche Handlung, auch auf Schauspieler verzichten; formal streng durchgestaltet sollte er sich von vorneherein als Kunstwerk ausweisen, das den Blick freimacht für die allen Dingen zugrundeliegenden Rhythmen, Formen und Bewegungen - der »absolute Film« war geboren, ein Kunstwerk, das eine Mittelstellung zwischen Bildender Kunst und Musik einnimmt. Ruttmann war der erste, der einen abstrakten Film in Deutschland vorstellte.

»Keine Namen, keine Flammenschrift, keine Menschen. Sondern schillernde, fließende Farbigkeit. Gemeng von schwebend-hu-schend-schrumpfend-zuckenden Kringeln, Ringeln, Spitzheiten, Rundheiten; von erglühtem Umriss, schwindsamer Füllung, bunten Erglänzungen; von Tauchendem und Sinkendem.«
(Alfred Kerr, Berliner Tagblatt, 19219

»Film ist für mich optische Musik.
Tempo und Bewegung sind die Hauptmerkmale unserer Zeit.
Der Blick, der in geistigen Dingen immer mehr auf die Betrachtung eines zeitlichen Geschehens gedrängt wird, weiß mit den erstarrten, zeitlosen Formeln der Malerei nichts mehr anzufangen.
Eine Kunst für das neue Lebensgefühl muß Musik fürs Auge sein, die sich von der Malerei dadurch unterscheidet, daß sie sich zeitlich abspielt wie die Musik, und daß der Schwerpunkt nicht, wie in der Malerei, auf der Reduktion eines Vorgangs auf einen Moment liegt, sondern gerade in der zeitlichen Entwicklung des Formalen. Es wird sich ein ganz neuer Typus von Künstler herausstellen, der etwa in der Mitte von Malerei und Musik liegt.«
(Walther Ruttmann)

Filmstill Opus II-IV (D 1921–25)