Die Zeit von 1919
bis 1924 wäre eine der künstlerisch reichsten des deutschen
Films.
Ausgehend von Theorie und Praxis des malerischen und literarischen Expressionismus
entwickelten vor allem Friedrich Wilhelm Murnau und Fritz Lang eine Filmsprache,
deren poetische Kraft und kameratechnische Neuerungen und Kühnheiten
den deutschen Produktion internationale Anerkennung einbrachte.
Für seinen Film Nosferatu verließ Murnau als einer der
ersten deutschen Regisseure die künstliche Kulissenwelt der Filmstudios
und drehte in der Natur. Durch virtuose Handhabung von Montage, bewegter
Kamera und Tiefenschärfe gewinnen die Landschaft der Karpaten und
die verfallenen Kornspeicher Lübecks suggestive Symbolik, wird die
Realität als subjektive Wahrnehmung erfahren. Ein Paradestück
ist die Fahrt durch den Geisterwald zu Nosferatus Schloss. Murnau fügte
diese Szene im Negativ in die Kopie ein und gab ihr zudem durch Veränderung
der Aufnahmegeschwindigkeit ruckartige, unrealistische Bewegungen.
Das Phantastische wird real, die Realität erscheint phantastisch.
Nicht bloßer Schock und Gruselschauer werden evoziert, sondern ein
sublimiertes Grauen, das häufig aus dem Anblick des Vertrauten aufsteigt.
Auch im Zeitalter des Horrorvideos hält der Prototyp aller Vampirfilme,
was sein Untertitel verspricht.
In Erlangen wird der Film in einer neuen Vertonung für Klavier und Schlagzeug gezeigt. Joachim Bärenz ist der »dienstälteste« Stummfilm-Pianist Deutschlands. Zusammen mit dem Schlagzeuger Christian Roderburg hat er eine mit gezielten Klangeffekten optimal auf den Film abgestimmte Ton-Kulisse für Murnaus Nosferatu erarbeitet.