Der kleine Muck – Ein Märchen aus dem Morgenland (D 1921)

Dauer:
65 min
Regie:
Wilhelm Prager
Drehbuch:
  • Johannes Meyer
  • Wilhelm Prager
  • nach dem Märchen von Wilhelm Hauff
Darsteller:
  • Willy Allen
  • Konrad Dreher
  • Rolf Ritter
  • Alice Torning
Musik und Ausführung:
Yogo Pausch
Filmkopie:
Bundesarchiv-Filmarchiv
Filmstill Der kleine Muck – Ein Märchen aus dem Morgenland (D 1921)

Inhalt

Der kleine Muck erzählt die Geschichte eines kleinen Jungen (Willy Allen), der nach dem Tod seines Vaters alleine in der großen weiten Welt zurecht kommen muss. In viel zu großen Kleidern macht er sich auf den Weg und gelangt auf wundersame Weise an ein Zauberstöckchen und magische Pantoffeln. Diese öffnen ihm die Tür zum Palast des Sultans, der ihn jedoch bald um seine Schätze bringt und ihn aus der Stadt jagt. Aber so einfach gibt der gewitzte Junge nicht auf. Bald hat er einen Plan parat, mit dem er den bösen König austricksen kann...

Der kleine Muck, gedreht in den üppigen Kulissen von Ernst Lubitschs Sumurun (1920), ist der erste abendfüllende Märchenfilm der Ufa-Kulturabteilung. Diese produzierte überwiegend Dokumentar- und Lehrfilme, meist in Form ein- bis zweiaktige Kurzfilme. Mit der kleine Muck gelang der Abteilung ein großer Erfolg, nicht zuletzt deshalb, weil der Film als sog. Familienfilm im regulären Abendprogramm herausgebracht wurde. Durch diese Adressierung an ein junges wie auch an ein erwachsenes Publikum ließen sich bei Gefallen entsprechend hohe Umsätze erwirtschaften.

Zur Uraufführung

Das war ein Jubel, als die kleinen Knirpse im Tauentzienpalast die Abenteuer ihres kleinen Freundes sehen durften. Zunächst mal das erhebende Gefühl, in ein "richtiges" Kino zur »richtigen« Abendvorstellung gehen zu dürfen! Die ganz Kleinen, so von sechs Jahren aufwärts freilich verstanden die Ehre noch nicht so recht zu würdigen, für sie ist Kino eben Kino. Desto mehr die Größeren, die triumphierend Platz nahmen. Der kleine Muck (Willy Allen) war aber auch zu drollig mit seinem riesigen Wuschelkopf und dem ungeheuren Turban. Und dann die niedlichen Kätzchen und Hunde. Und wie er auf den Pantoffeln davon saust! Am ulkigsten waren aber doch die langen Nasen, die die Wunderfeigen hervorzauberten. Das war einmal etwas, so ein Märchenwunder mit leibhaftigen Augen zu sehen! Und als nun gar der kleine Allen in höchst eigener Person von der Bühne durch den Zuschauerraum nach der Mittelloge ging, kannte der Jubel keine Grenzen. [...]

Die Kulturabteilung der Ufa hat seit ihrem ersten Jugendfilm erstaunlich vie1 gelernt, die Spielleitung Wilhelm Pragers weiß aus dieser harmlosen Handlung beinahe etwas wie wirkliche Spannung herauszuholen, sprudelt vor allem von entzückenden Einfällen und hat eine Besetzung gewählt, der sich mancher Film für die »Großen« nicht rühmen kann. [...]

Der Gedanke des Familienfilms, den die Kulturabteilung der Ufa mit diesem »Kleinen Muck« geschaffen hat, muß als äußerst glücklich bezeichnet werden. Gerade die schweren Schäden, die das rigorose Jugendlichenverbot dem Kinobesitzer zufügt, lassen den Versuch lohnend erscheinen auf diesem Wege Eltern und Kinder zusammen in Familienvorstellungen zu ziehen. [...] Dem Theaterbesitzer ist es schon recht, wenn er seine »kleine Kundschaft« recht zufrieden stellen kann.
Ab Freitag läuft der Film im Tauentzienpalast nachmittags von 4-6 Uhr. Jeder Erwachsene hat das Recht, ein Kind frei mitzunehmen.
Aus: Der Film 8 (1921). S. 47f.