Die phantastischen Welten des Georges Méliès (Kurzfilme, F1896 – 1911)

 Szene aus L'homme à la tête en caoutchouc
Dauer:
60 min
Regie:
Georges Méliès
Musik und Ausführung:
Yogo Pausch
35mm-Kopie:

Die Filme von Georges Mèliès

Die Kurzfilmauswahl, die während der StummFilmMusikTage zu sehen ist, finden sie hier.

Georges Méliès gilt heute als einer der größten Magier des Films. Dabei kam er eigentlich vom Theater. Dort hatte er einige Jahre als Zauberkünstler gearbeitet eine Herkunft, die man seinen Filmen ansieht. Der Kader ähnelt immer den klassischen Bühnenaufbau, die statische Einstellungsgröße erfasst den gesamten 'Bühnenraum', auf dem Méliès selbst und seine Schauspieler agieren. Und doch nutzt Méliès geschickt die Möglichkeiten des neuen Mediums: er erweitert klassische Theatertricks wie verborgene Falltüren um ebenso einfache wie effektive Filmtricks. Viele seiner Filme arbeiten mit Stoptricks, in denen die Kamera kurz angehalten wird, während die Szene verändert wird. So erscheinen dann wie von Geisterhand Requisiten und Figuren auf der Leinwand, um dann ebenso gespenstisch wieder zu verschwinden. Kombiniert mit Mehrfachbelichtungen entwickelt Méliès aus diesem beschränkten Repertoire eine ganze Anzahl von erstaunlichen und ungemein effektiven Spezialeffekten, so z.B. in seinem berühmten Film Un homme de têtes (1898), indem er selbst als Magier seinen eigenen Kopf vervielfacht und neben sich auf einen Tisch legt, so dass er am Ende mit drei exakten Repliken seines Kopfes ein Lied singen kann. In L'homme orchestre (1900) reproduziert sich der Regisseur sooft selbst, bis ein komplettes Orchester aus Georges Méliès-Klonen auf der Bühne sitzt und gemeinsam musiziert.
Die ungeheure Kreativität des Regisseurs und seine überaus liebevollen Tricks werden ergänzt durch die teilweise noch erhaltenen Handkolorierung einiger seiner Filme, so dass Méliès-Filme heute wie damals zu den bestproduzierten und eindrucksvollsten Werken des frühen Kinos zählen.

Szenenbild aus Voyage dans la lune

Als einer der ersten wagt es Méliès auch, einzelne Filmszenen aneinander zu reihen, um komplexere Geschichten erzählen zu können. Zu seinen bekanntesten Werken in diesem Bereich zählt Voyage dans la lune (Die Reise zum Mond) aus dem Jahr 1902. Andere wichtige Entwicklungen der Filmsprache macht Méliès allerdings nicht mit. Weder verändert er seine Einstellungsgrößen, um dem Publikum Emotionen oder Details näher zu bringen, noch verwendet er den Schnitt im Sinne einer Montage, die einen eigenen Sinnzusammenhang zwischen unterschiedlichen Einstellungen herstellt. Der Schnitt verbindet bei Méliès lediglich komplette Szenen, die jeweils durch ein neues Szenenbild definiert sind, bis genügend Szenen aneinander gereiht sind, um die Geschichte zu vollenden.
Und dennoch hat Georges Méliès ein filmische Werk geschaffen, dass trotz seiner (aus heutiger Sicht) technischen und erzählerischen Einfachheit heraus verblüfft, mit seinem Charme beeindruckt, bestens unter-hält und so zu den absoluten Highlights des frühen Kinos gehört und das für jede Altersstufe.

Kurzfilmprogramm der 12. StummFilmMusikTage

Szenenbild aus Voyage dans la lune Szenenbild aus Voyage dans la lune