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Der junge Journalist Edward Malone (Lloyd Hughes) wünscht sich nichts sehnlicher als endlich seine Verlobte Gladys zu heiraten. Doch die will einen 'richtigen' Mann, der »dem Tod ins Auge sieht, ohne mit der Wimper zu zucken.« So schließt sich Ed einer Expedition des umstrittenen Wissenschaftlers Prof. Challenger (Wallace Beery) an, der auf einem abgelegenen südamerikanischen Hochplateau nach dem verschollenen Wissenschaftler Maple White sucht. Mit von der Partie sind außerdem Challengers Rivale Summerlee (Arthur Hoyt), Lord Roxton (Lewis Stone) und Whites Tochter Paula (Bessie Love). Als sie nach langen Strapazen endlich auf dem Plateau ankommen, stellen sie fest, dass sich dort eine prähistorische Fauna und Flora erhalten hat. Vor allem die riesigen Dinosaurier werden zu einer echten Gefahr für die Expedition, als der Gruppe durch einen Brontosaurus der Rückweg in die Zivilisation abgeschnitten wird. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt...
The Lost World basiert auf einem Abenteuerroman des Sherlock Holmes-Erfinders Sir Arthur Conan Doyle, der im Jahre 1912 erschien. Der Film folgt dieser Vorlage gewissenhaft, lediglich die Figur der Paula White wurde hinzu erfunden und der Schluss ein wenig spektakulärer gestaltet. Doch war es nicht die Romanumsetzung, die das Publikum im Jahre 1925 begeisterte, sondern die noch nie da gewesenen Special Effects, mit denen die unzähligen Dinosaurier des Films zum Leben erweckt worden waren. So echt schienen einigen die Trickszenen, dass kurzzeitig das Gerücht kursierte, man hätte tatsächlich lebendige Dinosaurier entdeckt. Ob dies nun ein Publicity-Gag war oder nicht - Harry Hoyts Film wurde ein Kassenschlager und hatte keine Mühe, die rekordverdächtigen Produktionskosten von einer Million Dollar einzuspielen. Die New York Times jubelte am 9.2.1925 über die »einzigartige Produktion, die für viel Gesprächsstoff sorgen wird, da einige Szenen beeindruckender sind als alles, was jemals gezeigt worden ist«.
Doch wie entstand dieses Wunderwerk? Hauptverantwortlicher ist, neben Regisseur Hoyt, Willis H. O'Brien, genannt Obie, der Pionier der sog. Stop-Motion Animation. O'Brien hatte schon sehr früh mit Modellanimationen experimentiert und bereits in den zehner Jahren einige kurze Dinosaurierfilme gedreht. Mit The Dinosaur and the Missing Link schuf er 1915 den ersten Dinosaurierfilm, der landesweit vertrieben wurde. Nach einem weiteren Erfolg mit The Ghost of Slumber Mountain erhielt er schließlich einen Vertrag vom Produzent Watterson Rothacker. Die beiden Filmemacher entschieden bald, dass Doyles Lost World ein geeigneter Stoff wäre, um Obies Talent optimal zu nutzen. Marcel Delgado, ein 19-jähriger Künstler, wurde engagiert, um die Dinosauriermodelle zu konstruieren, die O'Brien animieren sollte. Dieser orientierte sich dabei an Charles Knights Dinosauriergemälden, die im American Museum of Natural History in New York ausgestellt waren. Er schuf ca. 45 cm große Miniaturen, die aus voll beweglichen und mit Schwämmen gepolsterten Stahlskeletten bestanden, die mit Latex überzogen wurden. Einige Figuren wurden außerdem mit Blasebälgen ausgestattet, so dass durch Luftzufuhr der Eindruck lebensechter Atmung erzeugt werden konnte.
Nun folgte die langwierige Arbeit der Animation. Ähnlich wie beim
Zeichentrickfilm entsteht auch bei der Stop-Motion Animation der Eindruck
kontinuierlicher Bewegung durch eine Abfolge von Einzelbild-belichtungen.
Dabei werden die Modelle zwischen den einzelnen Aufnahmen jeweils minimal
bewegt, so dass sie sich in einer Abfolge von 20-24 Bildern/Sekunde zu
bewegen scheinen. Diese zeitaufwendige Arbeit ließ nur eine Produktion
von ca. 30 sek Film (etwa 560 Einzelbilder) pro Drehtag zu. Damit die
Bilder zusätzlich an Dreidimensionalität gewannen, engagierte
man Ralph Hammeras, der mit seinen glas-shot Verfahren die Modellumgebung
der Dinosaurier perfekt ergänzte und erweiterte. Die Kamera filmte
durch eine oder mehrere bemalte Glasscheiben, hinter denen sich die Animationsfigur
befand. Dadurch wurde eine größere räumliche Tiefe vorgetäuscht,
obwohl die Entfernungen im Trickstudio meist kaum mehr als einen Meter
betrugen.
Doch damit nicht genug. O'Brien wollte seine Modelle mit Live-Action der
menschlichen Darsteller kombinieren. Um dieses ehrgeizige Ziel zu verwirklichen,
benutzte er das sog. Split-Screen-Verfahren. Dabei wurden zunächst
die Darsteller durch eine Maske gefilmt, die den Großteil des Bildes
verdeckte. Meist kauerten sie in einer der unteren Ecken des Kaders und
reagierten auf die für sie unsichtbaren Monster. In einem zweiten
Schritt wurden dann die Trickaufnahmen mit einer Gegenmaske gefilmt, die
nun exakt den vorher abgedeckten Bereich freigab und die zuvor belichteten
Filmstellen abdeckte. Dazu wurde das noch nicht entwickelte Material in
der Kamera zurückgespult und ein zweites Mal belichtet, so dass schließlich
eine Kombination beider Elemente auf dem fertigen Negativ zu sehen war.
Trotz dieses enormen Aufwands sind in The Lost World insgesamt
49 Dinosaurier zu sehen, die alle (!) während eines Vulkanausbruchs
gemeinsam über das Plateau galoppieren - ein bis heute ungebrochener
Rekord!
The Lost World wurde im Februar 1925 im New Yorker Kino Astor Theater
uraufgeführt. Die erste Version kam in viragierten, d.h. eingefärbten
Kopien in die Kinos und hatte eine Laufzeit von fast zwei Stunden. Lange
Zeit galt etwa die Hälfte des Films als verschollen. Die Produktionsfirma
First National hatte 1929 alle Kopien des Films aus unbekanntem Grund
vernichtet und lediglich eine ca. 55-minütige Fassung auf 16mm herstellen
lassen, die in Schulen und Kirchen gezeigt wurde. Das Originalnegativ
von The Lost World gilt bis heute als verschollen. Lediglich der
Trailer und einige Standfotos schienen die Zeit spurlos überstanden
zu haben.
Dann wurden 1991 im Archiv von Warner Brothers Negative von fehlerhaften
Szenen entdeckt, die seinerzeit nicht für die Originalfassung verwendet
worden waren. Ein Jahr später fand man im Filmovy Archiv in Prag
eine nahezu vollständige Kopie des Films mit Zwischentiteln in tschechischer
Sprache. Schließlich tauchten noch einige Szenen auf, die aus der
Library of Congress und aus Privatsammlungen stammten. Mit diesem Material
stellte Ed Stratman vom George Eastman House eine Rekonstruktion der Originalfassung
von The Lost World her.
(Bernhard Kempen, Dinomedia)
Filmrestaurator David Shepard war auch mit dieser Version nicht zufrieden und erstellte auf Grundlage der tschechischen Kopie, zusätzlich recherchierten Filmmaterials, des Originaldrehbuchs und der Originalpartitur James Bradfords aus dem Jahre 1925 eine weitere Fassung, die wir Ihnen hier präsentieren. Da die Originalpartitur für die noch immer zu kurze rekonstruierte Filmfassung nicht adäquat adaptiert werden konnte, haben wir für Sie eine Neukomposition anlässlich der StummFilmMusikTage in Auftrag gegeben.
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