The Lodger — Story of the London Fog (Der Mieter)(GB 1926)

Dauer:
92 min
Regie:
Alfred Hitchcock
Drehbuch:
Eliot Stannard, nach dem Roman The Lodger von Marie Belloc Lowndes
Kamera:
Baron (Giovanni) Ventimiglia
Darsteller:
  • Ivor Novello
  • June
  • Malcolm Keen
  • Marie Ault
  • Arthur Chesney
  • u.a
Musik:
Joby Talbot
Aufführung:
ensemble KONTRASTE
Leitung:
Frank Strobel
Filmkopie:
BFI London
Filmstill The Lodger — Story of the London Fog

Inhalt

Ein unheimlicher Frauenmörder treibt sein Unwesen in London. Seine Opfer sind ausnahmslos jung und blond. Gerade als die Hysterie um die Morde ihren Höhepunkt erreicht, zieht ein neuer Untermieter (Ivor Novello) bei den Bantings ein. Deren Tochter Daisy (June) ist sowohl jung als auch blond und darüber hinaus mit einem Polizisten (Malcolm Keen) verlobt. Der mysteriöse und attraktive Mieter scheint eine geheimnisvolle Vergangenheit zu haben, die ihn mehr und mehr ins Zentrum der polizeilichen Ermittlungen (geleitet von Daisys Verlobtem) rückt. Außerdem scheint er sich zunehmend für die junge Frau (und sie sich für ihn) zu interessieren... Ist er der berüchtigte Ripper? Wird Daisy gar sein nächstes Opfer?

The Master of Suspense

Mit Der Mieter schuf Alfred Hitchcock den ersten richtigen 'Hitchcock'-Krimi. Die Geschichte des unschuldig verfolgten Helden, die konzentrierten visuellen Mittel, die genaustens kalkuliert die notwendige Spannung schaffen, sadomasochistisch lustvolles Leiden auf Seiten des Helden (wenn er beispielsweise vom Mob gehetzt mit gefesselten Händen von einem Gitter herabhängt), die blonde Heldin - all dies macht den Film unverwechselbar zu einem 'Hitchcock'. Der Mieter markiert auch den Beginn einer anderen Tradition: zum ersten Mal tritt der Meister des suspense selbst in einem seiner Werke auf - hier noch in zwei Szenen, um das Bild zu füllen, später dann augenzwinkernd aus Tradition.
Und wie immer geht es um mehr als nur eine Kriminalgeschichte:

»Aber Hitchcocks Interesse liegt in The Lodger nicht in der Sozialpathologie des Verbrechens - noch weniger bei der Frage, wer denn nun der Mörder wirklich ist. Er verweilt lieber bei dem Effekt, den das Verbrechen auf normale Menschen hat [...] Am meisten jedoch scheint Hitchcock noch der Effekt des Verbrechens auf den Mieter selbst zu interessieren. Der ist davon besessen, den Mörder zu finden und zu töten, um so den Tod seiner eigenen Schwester zu rächen. Schuld und Unschuld wohnen hier wahrhaftig sehr dicht beieinander, denn der Mieter ist im Geist bereits eines Mordes schuldig, so wie er im Hinblick auf die wirklichen Morde unschuldig ist. [...]
Das Ende des Films ist Hitchcock in Reinkultur: eine verstörende Verbindung von Sex und Tod. Der Film beginnt mit den blinkenden Lichtern einer Theaterreklame: HEUTE-BLONDE LOCKEN. Es folgt der Mord an einem blondgelockten Mädchen. Und am Ende, wenn sich die blonde Daisy und ihr neuer Liebhaber umarmen, blinkt im Hintergrund dieselbe Reklame. Das ist ein Scherz, der Mord mit der Liebesnacht und der Zukunft Daisys und des Mieters in Verbindung bringt. Zum ersten Mal hat sich der Kreis geschlossen - der Kreis von Fesselung und Vergnügen. Der Kreis zwischen Handschellen und erotischem Kitzel hat sich logisch geschlossen. Hitchcock hat zu erkennen gegeben, daß ihn die Assoziation von Sex und Mord, von Ekstase und Tod fasziniert.« (Donald Spoto)