Die Leuchte Asiens –
Prem Sanyas (Indien/D 1925)

Szene aus Leuchte Asiens (Indien/D 1925)
Dauer:
97 min
Regie:
  • Franz Osten
  • Himansu Rai
Kamera:
  • Willi Kiermeier
  • Josef Wirsching
Drehbuch:
  • Niranjan Pal
  • Edwin Arnold
Darsteller:
  • Himansu Rai
  • Seeta Devi
  • Sarada Ukil
  • Rani Bala
Musik und Ausführung:
Henning Kirmse (Sitar), Om Prakash Pandey (Tabla)
35mm-Kopie:
British Film Institute

Inhalt

Biographie Buddhas: Auf der Suche nach Erleuchtung gibt der indische Prinz Gautama sein luxuriöses höfisches Leben auf. Er zieht als Bettler durchs Land und legt mit seinen Predigten das geistige Fundament des Buddhismus.

Szene aus Leuchte Asiens (Indien/D 1925)

Zum Film

Der Film, der nach einem Gedicht von Edwin Arnold entstand, stellt die erste deutsch-indische Koproduktion dar. Regisseur Franz Osten (1876-1956) brach 1925 mit den beiden Kameramännern Willi Kiermeier und Josef Wirsching nach Bombay auf. Dem bayerischen Team stand der hoch talentierte Himansu Rai, von Hause aus Jurist und später erfolgreicher Filmproduzent, zur Seite. Seine exzellenten Kontakte zu den obersten Kasten Indiens sicherten die aktive Unterstützung mehrerer Maharadschas, die ihre Paläste und ihren Hofstaat für die Dreharbeiten zur Verfügung stellten. So entstand an Originalschauplätzen und unter Mitwirkung ausschließlich indischer Darsteller ein einzigartiges filmisches Dokument, das die ganze Pracht des feudalen Indiens vor Augen führt und einen Meilenstein in der Annäherung westlicher und östlicher Kulturarbeit darstellt.

Szene aus Leuchte Asiens (Indien/D 1925) Szene aus Leuchte Asiens (Indien/D 1925)

Die Emelka

Der Film war einer der größten Erfolge der Münchner Produktionsfirma Emelka, die 1909 von den Brüdern Peter und Franz Ostermayr/ Osten gegründet wurde und wichtige deutsche Monumentalfilme mit exotischen Themen produzierte. Franz Ostens Die Leuchte Asiens war insofern innovativ, als hier ein Film in authentischen exotischen Settings in Indien entstand, nicht in den Kulissen in Geiselgasteig.
Viele frühe Filme der Emelka gelten heute als verschollen, doch seltene Funde in den Archiven aller Welt zeugen von der weiten Verbreitung der Emelka-Filme. So war auch Die Leuchte Asiens, hergestellt in einer deutschen und einer englischen Sprach- und Schnittfassung, weltweit bis in Südamerika, Japan und China im Einsatz.

Szene aus Leuchte Asiens (Indien/D 1925)

Zur Restaurierung

Der Premiere der restaurierten Fassung von Die Leuchte Asiens im Jahr 2001, die für ZDF/ARTE produziert worden war, gingen umfangreiche Recherche- und Restaurierungsarbeiten voraus: Ein Vergleich der englischen Fassung mit der deutschen Verleihfassung ergab, dass die englische Fassung vor allem zu Beginn, wenn etwa die Kamera Großstadtpanoramen festhält, zahlreiche Szenen enthält, die in der deutschen Fassung fehlen. Zumindest eine Szene wiederum ist nur in der deutschen Fassung vorhanden, die in der englischen fehlt. Da bislang nicht eindeutig geklärt werden konnte, ob diese Unterschiede zufällig zustande kamen (etwa durch Beschädigungen) oder ob von Franz Osten ursprünglich zwei verschiedene Fassungen für die unterschiedlichen kulturellen Ziel-gruppen geplant waren, wurde keine Vermischung der beiden Fassungen vor-genommen. Vielmehr fiel die Wahl auf die englische Fassung, die zudem in der Bildqualität Vorteile aufwies.
Eine schwarz-weiss Kopie dieser Fassung, die englische Titel aufweist, war bisher gelegentlich bei Filmkunstveranstaltungen zu sehen, wobei hier erhebliche Mängel vor allem bei der Zwischentitelgestaltung bisher nicht behoben worden waren.
Um dieser Fassung nun wieder zur Farbe zu verhelfen, bediente man sich bei der Restaurierung eines Verfahrens, das das tschechische Labor Ledecki als eines der letzten Kopierwerke weltweit noch vor-nimmt und die methodisch der Viragierung der 20er Jahre sehr nahe kommt: die jeweiligen Szenen einer schwarz-weiss Kopie, die auf der Basis des britischen Materials entstand, wurden entsprechend den Farben des Nitromaterials eingefärbt, das man dankenswerterweise im British Film Institute bis heute verwahrt hat.
Aus oben genannten Gründe wurden auch die englischen Titel belassen und nicht durch deutsche ersetzt. In der englischen Fassung fehlen zwar die Stabangaben, doch wird hier im Gegensatz zur deutschen Fassung in einer Tafel die Entstehungsgeschichte des Films kurz skizziert, auch findet sich ein Authentizitätsbeweis:
»As shown by Royal Command at Windsor Castle on April 27th, 1926«.