Es ist keinesfalls bloßer Koketterie zuzuschreiben, wenn man am Anfang des Films auf einer polierten Metallkugel Fernand Leger und Kameramann Dudley Murphy mit ihrer Kamera reflektiert sieht. Entgegen traditioneller Filmästhetik, die die technischen Bedingungen und die Herstellungsweise möglichst verschleiert, um durch nichts von der Identifikation mit dem Geschehen abzulenken und der perfekten Illusion möglichst nahe zu kommen, legt Leger das filmische Verfahren offen, verweist auf das Gemacht-Sein des Kunstwerks. Der Bildrand, Filmschnitte, mehrfach hintereinander montierte gleiche Bilder werden mit ins Bild hin eingenommen. Auf diese Weise, und durch den Verzicht auf ein herkömmliches Sujet, eine traditionelle Handlung, will Leger den Blick frei machen für die Dinge unserer nächsten Umgebung. »Entautomatisierung der Wahrnehmung«, »Entformelung«, »Dekomposition« lauten die Schlagwörter der künstlerischen Avantgarde: aus dem gewöhnlichen Zusammenhang genommen, fragmentiert und in eine neue vorwiegend ästhetische, Ordnung gebracht werden gewöhnliche Alltagsgegenstände zu Kunstobjekten.
Die Wäscherin bei der Arbeit und der Maschinenkolben; Augenpaare und Häuserfassaden
Teller, Gläser und Blumen: all dies vereint Lege zu einer Hymne an
den dionysischen Rhythmus des Lebens.
Neben einer virtuosen Montagetechnik weiß Léger die grundlegenden
Möglichkeiten di Kamera bewusst zu nutzen: Großaufnahme, Kamerafahrt,
Zeitlupe und Zeitraffer, prismatische Verzerrungen, die die Formen durch
die einfache optische Annäherung in Bewegung versetzen, machen sichtbar,
was normalerweise unsichtbar ist.
Wie Walther Ruttmann ist Fernand Leger ursprünglich Maler. Als einer der Wegbereiter des Kubismus steht er in Kontakt mit führenden Vertretern der europäischen Avantgarde wie Archipenko, Delaunay und der Gruppe »De Sti-jl« um Mondrian. Man Ray wirkte als Kameramann neben Dudley Murphy bei Le Ballet Mecanique mit. Auch Legers künstlerischer Weg führt zunächst, wie der Ruttmanns, in die Abstraktion und schließlich zum Film.