La Grande Tristesse – StummFilmKonzert und Chansons

Eine Veranstaltung des ensemble KONTRASTE mit freundlicher Unterstützung des Kulturfonds Bayern und ZDF/ARTE

Manfred Knaak über La Grande Tristesse

Der konzertante erste Teil ist eine kaleidoskopartige Suite, die im Wechsel Instrumentales und Vokales in Bezug zueinander setzt. Die Chansons stellen einen ‚roten Faden' dar - auch im Bezug zum Film - eine inhaltliche Orientierung an den Themen "Sehnsucht und unerfüllte Liebe".
Bei der Auswahl der Werke von Charles Koechlin (die Suite Musik zu einem imaginären Film umfasst ca. 80 Einzelkompositionen) liegt der Schwerpunkt einerseits auf musikalischen Verwandtschaften zu den gewählten Chansons, andererseits wird auch der virtuose Aspekt für das ensemble KONTRASTE eine Rolle spielen. Wobei die instrumentalen Sätze im weiteren Sinne Tanzcharakter haben.

Edith Piaf, die weltberühmte Chanson-Sängerin, in ihrem ganzem Leben eine Getriebene: Aus ärmsten Verhältnissen stammend, zu internationalem Ruhm aufgestiegen, alle Untiefen des Lebens auslotend, von einem Exzess in den nächsten fallend (Sex, Drugs and -french- Rock'n'Roll). Madame Beudet, im Wohl- und Ehestand allzu behütet, eine eher "lyrische Persönlichkeit": Die Liebe zu Klavierspiel und Literatur.

Potrait Maria Helena Joor Maria Helena Joor (Sopran)

Was haben diese beiden Frauenfiguren gemeinsam? Beide kennzeichnet - vor dem Hintergrund ihrer Unterschiedlichkeit - die Sehnsucht und die Suche nach einem unerfüllten - unerfüllbaren? - Glück.
Piaf, sich in zahllose sexuelle Abenteuer stürzend und aus ihnen (z.T. in die Drogenabhängigkeit) abstürzend, glaubt in Marcel Cerdan die Liebe ihres Lebens gefunden zu haben und verliert diesen Menschen bei einem Flugzeugabsturz. Ist diese Episode ihres Lebens zugleich ihr Programm?

Die Sehnsucht nach dem über den Alltag Hinausgehenden, nach Liebe, nach sexueller Erfüllung, äußert sich bei Madame Beudet in einer Ästhetisierung ihres Alltags: Die Blumen stehen in der mathematischen Mitte des Tisches falsch. Sie sucht die feinen Dinge auf, um über die unerträgliche Grobheit ihres Daseins hinwegzukommen.