Die Hugenottenstadt Erlangen wurde in den Jahren 1928-1930 von der Dresdener Firma Boehner Film gedreht und entstand unter Mitwirkung der Erlanger Bürger Dr. Eduard Rühl und Johannes Junge. Kameramann war Erich Menzel, in den 50er Jahren Regisseur und Inhaber des Instituts für wissenschaftliche Filme und zugleich Stadtrat in Erlangen. Fritz Boehner, ein gebürtiger Erlanger, schenkte den Film, wie es hieß, in Dankbarkeit seiner Heimatstadt. Die Uraufführung erfolgte am 17.1.1932 in den Schwanen-Lichtspielen vor geladenem Publikum.
[...] Bevor der Film lief, ergriff 1. Bürgermeister Dr. Flierl das
Wort. [Er erinnerte] auch an die propagandistische Wirkung, die der Film
für unsere Stadt haben könne. Wenn Erlangen auch nicht reich
sei an architektonischen Schönheiten, so gebe er doch der stillen
und verborgenen Schönheit unserer Stadt beredten Ausdruck [...] Wir
Erlanger bräuchten auch nicht zu bescheiden zu sein. Die Schönheit
unserer Stadt und ihrer Umgebung könne, wenn sie erst mehr bekannt
werde, manchen hierherlocken. Für die Geschichte aber bilde der Film
ein lebendiges Dokument des Erlangens unserer Tage, dessen Wert vielleicht
unsere eigene Generation noch gar nicht so ganz erfassen könne. Wenn
wir uns aber vorstellen, dass wir heute einen Film aus dem Erlangen der
napoleonischen Kriege sehen könnten, das uns nur aus mit mehr oder
weniger Phantasie gemachten Stichen bekannt ist, so können wir ermessen,
welchen Wert dieser Film unserer Tage für spätere Erlanger Generationen
haben muß. [...] Das alles zieht in guten Bildern vorüber und
ergibt einen Heimatfilm von hoher Qualität, auf den Erlangen stolz
sein kann und der auch in technischer Hinsicht allen Anforderungen gerecht
wird. [...] Der Film "Die Hugenottenstadt Erlangen" ist ein
ausgezeichnetes Filmwerk, mit dem Erlangen ein Geschenk von ganz unschätzbarem
Wert gemacht worden ist. Und dafür sei zum Schluß auch an dieser
Stelle Herrn Direktor Fritz Boehner, der seiner Anhänglichkeit an
seine Vaterstadt damit das schönste Zeugnis ausgestellt hat, der
wärmste Dank gesagt.
Aus: Erlanger Neueste Nachrichten vom 18.01.1932
In den darauffolgenden Wochen gibt es mehrere Schulaufführungen und
öffentliche Vorführungen. Der Reinerlös wird auf einem
Sparbuch angelegt, um damit einen Teil der Kosten für eine Kopie
des Films zu finanzieren. Diese Filmkopie wird zunächst nicht gezogen,
da man den zweiten Hälfte über das zeitgenössische Erlangen,
vor allem auch über die Universität, für unvollständig
ansieht. Beispielsweise wird vermerkt, dass darin "die Frauenklinik
mit der größten deutschen Röntgenstation übergangen
wird". Man erwägt entweder eine Umgestaltung und Erweiterung
des 2. Teils oder bei Belassung des vorhandenen Films die Schaffung eines
3. Teils, der lediglich die Universitätsstadt Erlangen darstellt.
Im Juli 1932 wurde dann eine gekürzte Kopie aus den Teilen 1 und
2 in Auftrag gegeben, die im selben Monat an die Stadt geliefert wurde.
Über Aufführungen dieser gekürzten Fassung ist nichts bekannt,
sie liegt jedoch als Original im Stadtarchiv Erlangen.
Auf Anordnung der Militärregierung wird der Erlangen-Film aus dem
Jahr 1931 (welche Fassung ist nicht bekannt) in den Schwanen-Lichtspielen
am 18.11.1945 vor einem geladenen Kreis vorgeführt. Der Film wird
am 1. Februar 1946 aufgrund der Nachrichten-Kontrollvorschrift Nr.2 von
der US-Armee eingezogen. Ab 7. Oktober 1946 bemüht sich OBM Poeschke
um die Freigabe des Films. Es folgt ein längerer Schriftwechsel,
und erst am 8. Februar 1950 gelangt der Film wieder in den Besitz der
Stadt, wo er seitdem im Stadtarchiv eine Heimat gefunden hat.
Anläßlich des 6. StummFilmMusikTages zeigten wir Ihnen Die
Hugenottenstadt Erlangen in einer 16mm-Kopie, die in den 80er Jahren
auf Grundlage der ursprünglichen Fassung hergestellt wurde. Die qualitativ
hochwertigere 35mm-Originalfassung des Films befindet sich in einem äußerst
bedenklichen Zustand und kann augenblicklich nicht aufgeführt werden.
Das alte Nitro-Filmmaterial hat bereits begonnen sich zu zersetzen und
wird schon in wenigen Jahren nicht mehr zu retten sein. Die einzige Möglichkeit
dieses Originaldokument (zugleich die älteste filmische Quelle zur
Hugenottenstadt) zu bewahren, besteht in einer Restaurierung und Umkopierung
auf modernes 35mm-Safety-Material. Eine solche Umkopierung verursacht
erhebliche Kosten, die das Stadtarchiv aus eigenen Mitteln nicht tragen
kann.
Wir von (a)synchron e.V. möchten Sie daher bitten, mitzuhelfen, ein Stück
Erlanger Geschichte zu bewahren und die Bemühungen um den Erhalt
dieses einzigartigen Dokuments zu unterstützen. Das Stadtarchiv Erlangen
hat für diesen Zweck ein Sonderkonto eingerichtet:
Sparkasse Erlangen
(BLZ 76350000) Konto 31
Haushaltsstelle 3200.1770
Verwendungszweck: Spende Erlangen Film
Auf Wunsch stellt Ihnen das Stadtarchiv Erlangen gerne eine steuerlich absetzbare Spendenquittung
aus.