Die Hugenottenstadt Erlangen (D 1931)

Dauer:
30 min
Regie:
Fritz Boehner
Musik und Ausführung:
Dr. Dieter MeyderYogo Pausch
Filmkopie:
Stadtbildstelle Erlangen

Die Hugenottenstadt Erlangen wurde in den Jahren 1928-1930 von der Dresdener Firma Boehner Film gedreht und entstand unter Mitwirkung der Erlanger Bürger Dr. Eduard Rühl und Johannes Junge. Kameramann war Erich Menzel, in den 50er Jahren Regisseur und Inhaber des Instituts für wissenschaftliche Filme und zugleich Stadtrat in Erlangen. Fritz Boehner, ein gebürtiger Erlanger, schenkte den Film, wie es hieß, in Dankbarkeit seiner Heimatstadt. Die Uraufführung erfolgte am 17.1.1932 in den Schwanen-Lichtspielen vor geladenem Publikum.

Pressestimme

[...] Bevor der Film lief, ergriff 1. Bürgermeister Dr. Flierl das Wort. [Er erinnerte] auch an die propagandistische Wirkung, die der Film für unsere Stadt haben könne. Wenn Erlangen auch nicht reich sei an architektonischen Schönheiten, so gebe er doch der stillen und verborgenen Schönheit unserer Stadt beredten Ausdruck [...] Wir Erlanger bräuchten auch nicht zu bescheiden zu sein. Die Schönheit unserer Stadt und ihrer Umgebung könne, wenn sie erst mehr bekannt werde, manchen hierherlocken. Für die Geschichte aber bilde der Film ein lebendiges Dokument des Erlangens unserer Tage, dessen Wert vielleicht unsere eigene Generation noch gar nicht so ganz erfassen könne. Wenn wir uns aber vorstellen, dass wir heute einen Film aus dem Erlangen der napoleonischen Kriege sehen könnten, das uns nur aus mit mehr oder weniger Phantasie gemachten Stichen bekannt ist, so können wir ermessen, welchen Wert dieser Film unserer Tage für spätere Erlanger Generationen haben muß. [...] Das alles zieht in guten Bildern vorüber und ergibt einen Heimatfilm von hoher Qualität, auf den Erlangen stolz sein kann und der auch in technischer Hinsicht allen Anforderungen gerecht wird. [...] Der Film "Die Hugenottenstadt Erlangen" ist ein ausgezeichnetes Filmwerk, mit dem Erlangen ein Geschenk von ganz unschätzbarem Wert gemacht worden ist. Und dafür sei zum Schluß auch an dieser Stelle Herrn Direktor Fritz Boehner, der seiner Anhänglichkeit an seine Vaterstadt damit das schönste Zeugnis ausgestellt hat, der wärmste Dank gesagt.
Aus: Erlanger Neueste Nachrichten vom 18.01.1932

Geschichte eines Heimatfilms

In den darauffolgenden Wochen gibt es mehrere Schulaufführungen und öffentliche Vorführungen. Der Reinerlös wird auf einem Sparbuch angelegt, um damit einen Teil der Kosten für eine Kopie des Films zu finanzieren. Diese Filmkopie wird zunächst nicht gezogen, da man den zweiten Hälfte über das zeitgenössische Erlangen, vor allem auch über die Universität, für unvollständig ansieht. Beispielsweise wird vermerkt, dass darin "die Frauenklinik mit der größten deutschen Röntgenstation übergangen wird". Man erwägt entweder eine Umgestaltung und Erweiterung des 2. Teils oder bei Belassung des vorhandenen Films die Schaffung eines 3. Teils, der lediglich die Universitätsstadt Erlangen darstellt.
Im Juli 1932 wurde dann eine gekürzte Kopie aus den Teilen 1 und 2 in Auftrag gegeben, die im selben Monat an die Stadt geliefert wurde. Über Aufführungen dieser gekürzten Fassung ist nichts bekannt, sie liegt jedoch als Original im Stadtarchiv Erlangen.
Auf Anordnung der Militärregierung wird der Erlangen-Film aus dem Jahr 1931 (welche Fassung ist nicht bekannt) in den Schwanen-Lichtspielen am 18.11.1945 vor einem geladenen Kreis vorgeführt. Der Film wird am 1. Februar 1946 aufgrund der Nachrichten-Kontrollvorschrift Nr.2 von der US-Armee eingezogen. Ab 7. Oktober 1946 bemüht sich OBM Poeschke um die Freigabe des Films. Es folgt ein längerer Schriftwechsel, und erst am 8. Februar 1950 gelangt der Film wieder in den Besitz der Stadt, wo er seitdem im Stadtarchiv eine Heimat gefunden hat.

Helfen Sie mit!

Anläßlich des 6. StummFilmMusikTages zeigten wir Ihnen Die Hugenottenstadt Erlangen in einer 16mm-Kopie, die in den 80er Jahren auf Grundlage der ursprünglichen Fassung hergestellt wurde. Die qualitativ hochwertigere 35mm-Originalfassung des Films befindet sich in einem äußerst bedenklichen Zustand und kann augenblicklich nicht aufgeführt werden. Das alte Nitro-Filmmaterial hat bereits begonnen sich zu zersetzen und wird schon in wenigen Jahren nicht mehr zu retten sein. Die einzige Möglichkeit dieses Originaldokument (zugleich die älteste filmische Quelle zur Hugenottenstadt) zu bewahren, besteht in einer Restaurierung und Umkopierung auf modernes 35mm-Safety-Material. Eine solche Umkopierung verursacht erhebliche Kosten, die das Stadtarchiv aus eigenen Mitteln nicht tragen kann.
Wir von (a)synchron e.V. möchten Sie daher bitten, mitzuhelfen, ein Stück Erlanger Geschichte zu bewahren und die Bemühungen um den Erhalt dieses einzigartigen Dokuments zu unterstützen. Das Stadtarchiv Erlangen hat für diesen Zweck ein Sonderkonto eingerichtet:
Sparkasse Erlangen (BLZ 76350000) Konto 31
Haushaltsstelle 3200.1770
Verwendungszweck: Spende Erlangen Film

Auf Wunsch stellt Ihnen das Stadtarchiv Erlangen gerne eine steuerlich absetzbare Spendenquittung aus.