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Buster Keaton spielt Johnny Gray, einen Lokomotivführer, der zwei Lieben in seinem Leben hat, seine Lok, den "General", und Annabelle Lee (Marion Mack). Als der amerikanische Bürgerkrieg ausbricht, will Annabelle Buster in Konföderierter Uniform sehen, aber die Armee lehnt ihn ab. Annabelle zürnt. Als schlißlich ein Spion sowohl Annabelle als auch den "General" raubt, macht sich Buster auf ins Feindesland, um beide zurückzugewinnen. Durch eine Verkettung von Zu- und Unfällen erfüllt er dabei nicht nur seine Mission, sondern wird außerdem zum Kriegshelden. Und Annabelle liebt ihn jetzt auch...
»Buster Keaton ist die Allegorie der Geistesabwesenheit. Wo sein
Geist sich eigentlich aufhält, kann niemand ergründen. Vielleicht
ist er überhaupt nicht vorhanden, vielleicht sucht er auch nur etwas,
das ihm wesentlich ist. Die Welt enthält alles Mögliche; das
von Buster gesuchte enthält sie gerade nicht. Darum läßt
er sie stehen, Buster bekümmert sich nicht um diese Welt. Die Dinge
stoßen ihn, daß er stolpern muß, die Leute verwickeln
ihn in ihre Geschäfte, die er nicht versteht. Das stört ihn,
wie Fliegen stören, doch abgelenkt wird er nicht. Ohne Bewegung und
unveränderten Gesichts geht er durch die Welt hindurch, sie ist zudringlich,
er geht fort. [...]
Daß ein Krieg Buster Keaton nichts angeht, bedarf kaum der Erwähnung.
Für das Militär und die Bevölkerung mag er wichtig sein,
aber Buster ist weder Militär noch Bevölkerung, er ist abwesend.
Oder vielmehr: er ist Lokomotivführer, und seine Lokomotive heißt:
'General'. Den 'General' muß man gesehen haben [...] Gegen die Langsamkeit,
mit der das Konglomerat dahinrast, ließe sich vom heutigen Standpunkt
ein entschiedener Vorwurf erheben; aber dafür ist es ein anhängliches
lebendiges Wesen, das zu Buster in einem besonderen Vertrauensverhältnis
steht wie nur alte zerfetzte Automodelle zu den Neapolitanern. Es hat
Ecken, Kanten und Stege, auf denen er spazieren gehen kann, es hat einen
geräumigen Puffer, auf dem er sich in Mußestunden, wenn die
Fahrt glatt vonstatten geht, der Lektüre eines Lieblingsromans widmen
mag. Buster behandelt die Maschine wie einen klugen, schrulligen Neufundländer,
dessen Verkehr stets Abwechslung bringt.
Ruhig dampfte er zwischen den Nord- und Südarmeen hin und her, wäre
nicht ein Mädchen, das in ihm Gefühle erweckte, die ihn erreichen.
Dieses hübsche Kind verlangt, daß auch Buster Soldat werde
und in Schlachten ziehe. Gut also, um des Mädchens willen mischt
sich Buster in den Krieg. Man weist ihn aber zurück, weil er als
Lokomotivführer notwendiger sei. Niemals hätte er sich träumen
lassen, daß er auf dem 'General' gewissermaßen eine militärische
Mission zu erfüllen habe. Er begreift es nicht, er ist traurig, daß
er nicht in den Krieg soll, wegen des Mädchens. Nun beginnt eine
entzückende Odyssee Busters und des 'Generals'. [...]
Das sind die Kriegsabenteuer Busters und seines 'Generals'. Die beiden
wären viel lieber ungestört hin und her gefahren, aber das Mädchen
hatte es nicht anders gewollt. Ob mit dem Gewinn des Mädchens die
Geistesabwesenheit behoben ist, dürfte zweifelhaft sein. Jedenfalls
eher als durch einen wichtigen Krieg. Aber am Ende ist es doch am richtigsten,
auf dem Promenadendeck des 'Generals' durch die Welt zu fahren, die das
Gesuchte nicht enthält.«
(Siegfried Kracauer. FZ 5.5.1927)
The General gilt heute als Buster Keatons Meisterwerk. Nie zuvor hatten sich in einem seiner Filme die Einflüsse des Vaudevilles und die Form des klassischen Hollywoodkinos so perfekt ergänzt und ausbalanciert. In seiner Ästhetik zitiert der Film Matthew Bradys berühmte Photographien aus dem amerikanischen Bürgerkrieg. Seine Erzählung entwickelt hier epische Ausmaße, die gekonnt auf D.W. Griffiths America, einem schwülstigen Bürgerkriegsdrama aus dem Jahre 1924, anspielt und die kleine Liebesgeschichte um Buster, das Mädchen und den General gekonnt mit den großen Tableaus des Bürgerkriegs verbindet.
The General
ist spektakulär in vielerlei Hinsicht: in kaum einem Film finden
sich so viele Kamerafahrten wie hier, die z.T. halsbrecherischen Stunts
werden wie immer von Keaton selbst ausgeführt. Selbst seine Hauptdarstellerin
Marion Mack wurde immer wieder von Keaton überlistet, ihre eigenen
Stunts zu machen. Das bereitstehende Stunt-Double kam trotz anderslautender
Bekundungen nie zum Einsatz.
Und am Ende meint man einem der unglaublichsten Tricks der Filmgeschichte
beizuwohnen als eine gesamte Eisenbahn samt Eisenbahn-Brücke in einen
Fluss stürzt. Noch unglaublicher ist die Tatsache, dass es sich bei
diesen Aufnahmen nun gerade nicht um einen Trick handelt. Keaton nahm
es auf sich, einen tatsächlichen Zug inklusive Lok in den Row River
in Oregon stürzen zu lassen - ein Anblick, der noch Jahrzehnte später
eine Touristenattraktion darstellte.
Anlässlich der StummFilmMusikTage wurde eine Neukomposition in Auftrag gegeben, die in Erlangen ihre Premiere feiert.