Wien in den Inflationsjahren
nach dem Ersten Weltkrieg. Hinter den Fassaden der ehemals wohlhabenden
Bürgerhäuser herrschen einerseits dumpfe Armut und Hunger und
andererseits dekadenter Reichtum und Spekulationsgeist. Die neue "Oberschicht"
in der einst gutbürgerlichen Melchiorgasse bilden die Händler,
die ihre Machtstellung ausnutzen: Die Schneiderin Greifer betreibt im
Hinterzimmer ein Bordell, und der Fleischer veräußert seine
Ware nur gegen besondere Dienstleistungen.
In locker verwobenen Episoden entwirft Pabst ein realistisches Bild Wiens
während der Inflationszeit, einen scharf kontrastierenden Bilderbogen
von Armut und Verschwendung, Sexualität und Macht.
Die freudlose Gasse wurde von diversen Zensurbehörden in Europa und vom Importeur in den USA fast bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt und gilt als einer der prominentesten Fälle der Zensurgeschichte. Im Filmmuseum München fand mit Unterstützung des Projekts Lumière eine umfassende Restaurierung statt, an der sich zahlreiche Filmarchive beteiligten. Ergebnis ist die vorläufig längste und inzwischen viragierte Fassung des Films von 3200 Metern.