Film ist ein
artistisches Experiment, ausgehend von der These »esse est percipi«
des irischen Philosophen George Berkeley (1685-1753). Nach Berkeley existiert
keine vom Wahrnehmen und Denken unabhängige Außenwelt. Das
Sein der Dinge besteht in ihrem Wahrgenommenwerden, und real existiert
nichts als die Substanz des Geistes, der Seele und das Ich.
Beckett geht es nicht um den Sinn oder Unsinn von Berkeleys Philosophie,
sondern um eine Reflexion auf das Medium Film selbst. Der Satz »esse
est percipi« beschreibt nämlich auch die Seinsweise, in der
die dargestellten Objekte im Film präsent sind. Nur das hat Realität,
was im Augenblick auf der Leinwand gegenwärtig ist. Film erzählt
die Geschichte eines Mannes (O wie object), der versucht, nicht zu existieren.
Das Mittel, dieses Ziel zu erreichen besteht darin, jede Wahrnehmung durch
andere auszuschalten. Verfolgt von dem Auge der Kamera (E wie eye), eilt
der Mann eine Straße entlang und eine Treppe hinauf in ein Zimmer.
Dort entfernt er alles, dessen Blick er sich ausgesetzt fühlt, er
verhängt das Fenster und befördert einen Hund und eine Katze
aus dem Zimmer. Dann verhängt er den Spiegel und zerreißt ein
Bild an der Wand, das Gott darstellt. Er verdeckt das Aquarium und den
Vogelkäfig. Schließlich zerreißt er sieben Fotografien
von sich selbst. Endlich lehnt sich O in den Schaukelstuhl zurück
und schläft ein. Aber er ist nicht allein. E wartet, umkreist ihn
und ihr Blick durchdringt seinen Schlaf. O erwacht und sieht sich mit
E konfrontiert. Vor ihm auf der Wand erscheint, erstmalig von vorne gezeigt,
ein Bild seiner selbst. O schließt die Augen, sinkt zurück
in den Stuhl, bedeckt das Gesicht mit beiden Händen und das Schaukeln
des Stuhls verebbt. Der Film ist zu Ende. Der Film hat zwei Protagonisten:
O und E und zwei Sichtweisen. Man sieht O im Zimmer durch E und das Zimmer
selbst durch O.
Es Wahrnehmung ist scharf, Os Wahrnehmung ist unscharf und verwirrt. Beckett
zeigt, dass Selbstvernichtung durch Ausschaltung des Wahrgenommenwerdens
von außen scheitert an der Selbstwahrnehmung, die man nicht abschalten
kann; was bei Berkeley noch das über allem stehende unantastbare
Auge Gottes war, entspricht bei Beckett der Kunst (der Kamera). Sie ist
jedoch kein Garant höherer Wahrheit sondern repräsentiert lediglich
eine bestimmte dramatische oder narrative Konvention. Schwierig gestaltete
sich die Besetzung des Films. Beckett hatte Buster Keaton im Auge, der
allerdings vorher die Rolle des Lucky in Warten auf Godot abgelehnt hatte,
da er das Stück nicht verstand. Als Keaton das Drehbuch zu Film gelesen
hatte, war sein erster Eindruck.da müsse noch einiges daran getan
werden. Der Regisseur Alan Schneider berichtet:
»Im Grunde war er der Meinung, dass wir alle, Beckett eingeschlossen, nicht alle Tassen im Schrank hatten. Aber er brauchte das Geld. Während der Dreharbeiten behauptete Keaton immer wieder, er habe keine Ahnung, was zum Geier hier eigentlich vorgeht, tat jedoch mit einer Engelsgeduld alles, was man von ihm verlangte. Er war weit über siebzig, übergewichtig und kurzatmig, spielte jedoch die Szenen von Os Flucht treppauf, treppab wieder und wieder durch.«
Samuel Beckett hat verfügt, dass der Film grundsätzlich ohne jegliche Vertonung gezeigt wird..