Entr'acte,
1924 als »Zwischenakt« für das Ballett Relache von
Francis Picabia gedreht, ist in seiner beabsichtigten Provokation und
grotesken Form stark vom Dadaismus geprägt. »Relache« steht
im Sommer an allen Theatern in Paris und heißt: »geschlossen«.
Neben Picabia selbst wirken so illustre Darsteller wie Eric Satie, Antonin
Artaud, Man Ray und Marcel Duchamp mit, der mit seinen »Ready Mades«
Gebrauchsgegenstände zu Kunstwerken umfunktionierte.
Rasche Folgen scheinbar unzusammenhängender Einstellungen, Montage-
bzw. Collagetechnik, weitgehender Verzicht auf einen narrativen Zusammenhang,
ein Materialbewusstsein, das den Film nicht als Transportmittel für
Inhalte gebraucht, sondern als ein auf sich selbst beruhendes funktionelles
Mittel versteht - all dies zeichnet Entr'acte als wichtiges und
einflussreiches Werk der europäischen Avantgarde der 20er Jahre aus.
Ursprünglich sollte der Film in der Pause von Picabias Ballett nur
als eine Art Hintergrundkulisse laufen, während Musiker an verschiedenen
Stellen im Foyer »Möbelmusik« von Eric Satie spielten,
die zu dem Geplauder des Publikums passte. Das Publikum war aber von dem
Film so fasziniert, dass es verstummte und fortwährend auf die Leinwand
blickte - was Picabia veranlasste, wütend in die Menge zu rufen:
»Redet doch, redet, redet!«