Doku-Drama: Mitten im siamesischen Dschungel kämpfen der Jäger Kru und seine Familie ums tägliche Überleben. Menschen-fressende Tiger, Leoparden und eine außer Kontrolle geratene Elefantenherde bedrohen die kleine Familie. Dazwischen sorgt Gibbon Bimbo, das Haustier der Familie, immer wieder für komische Einlagen.
Die späteren Regisseure des Horrorklassikers King Kong und die weiße Frau (1933), Merian C. Copper und Ernest B. Schoedsack, setzen mit Chang erstmals ihr Konzept des natural drama um. Nachdem ihr äußerst erfolgreicher Vorgängerfilm Grass: A Nation's Battle for Life (1925) noch ganz im dokumentarischen Stil einer Gruppe Nomaden auf der Suche nach dem überlebenswichtigen Steppengras für ihre Tiere folgt, wollen beide Regisseure nun neue Erzählformen ausprobieren.
1926 ergibt sich nun bei einer Reise in den Dschungel von Siam die Gelegenheit ein neues Konzept auszuprobieren. Schoedsack und Cooper wollen den täglichen Überlebenskampf der Laos in Siam dokumentieren. Wilde Tiere, unter ihnen Tiger, Leoparden und Elefanten, versprechen spektakuläres Material. Zugleich ist beiden Regisseuren bewusst, dass interessante Aufnahmen von Menschen mit wilden Tieren auf rein dokumentarischem Weg kaum zu bekommen sind, insbesondere wenn sich diese Aufnahmen zu einer actiongeladenen Story mit einem Spannungsbogen und interessanten zentralen Charakteren, wie man sie aus Spielfilmen kennt, verbinden sollen.
Unter der Überschrift natural drama entwickeln die Regisseure ein neuartiges Konzept, dass Cooper so bescheibt:
»Grob gesprochen sieht unsere Methode so aus: Ich verbringe eine zeitlang damit, herauszufinden, wie die Menschen mit einem bestimmten Problem umgehen, das durch das Klima, die Umwelt, wilde Tiere, etc. verursacht wird. Dann versuchen wir gemeinsam mit einigen Eingeborenen, die zu unserer Besetzung gehören, diese Szene nachzustellen. Nach der Anleitung unserer Generaldirektion arbeiten wir ein kleines dramatisches Motiv ein. Das Resultat wird zweifelsohne ziemlich künstlich ausfallen. Und doch wird es auf seine Weise vom sehr realen Überlebenskampf des Dschungelmenschen erzählen, selbst wenn dieser verzerrt ist« (Vaz, 149).
Zentral für den Film sollen Szenen mit einem menschenfressenden Tiger werden. Immer wieder hatte Cooper von diesen Tieren gehört, die die Einwohner der Region Nan, in der gefilmt wurde, in Angst und Schrecken versetzten. Das besondere Verhältnis der dort lebenden Laos zum Tiger beschreibt Cooper in einem Artikel, der 1928 im National Geographic erscheint:
»Je länger wir unter diesen Leuten arbeiteten, desto klarer wurde uns, dass diese den Dschungel nicht einfach als eine riesige Ansammlung von Bäumen, Bambus und Unterholz betrachteten; Sie stellten ihn sich viel eher als eine personifizierte Macht vor. Genauso betrachteten sie die Tiere des Dschungels nicht einfach als wilde Tiere, sondern als Geschöpfe mit klar umrissenen Gedanken und Persönlichkeiten. Im Lao Gebiet in der Nähe von Nan war diese Haltung des Eingeborenen besonders dem Tiger gegenüber stark ausgeprägt. Immer wieder beherrscht der Tiger geradezu die Gedanken und das Leben der Menschen. Diese Bestie ist die Macht, das Grauen, die blutrünstige Personifikation der Grausam-keit des mächtigen Dschungels selbst, jenes Dschungels, der die Eingeborenen-Dörfer umfängt und der sich, in ihren ungebildeten Augen, in die Unendlichkeit erstreckt.
Ich war in Dörfern, in denen die Menschen kaum den Namen suar (Tiger) auszusprechen wagen, da sie in ihrer abergläubischen Angst glauben, dass der teuflische Geist, der auf dem Rücken des Tigers reitet, sie hören und sich aus Groll rächen könnte. Es gibt einen guten Grund für diese Angst: die Tiger des Nan-Distrikts gelten als Menschenfresser [...] Es gibt Gegenden im südlichen Siam [...], in denen der Tiger als beinahe freundlich gesonnener Geist betrachtet wird. Das ist im Nan-Distrikt nicht der Fall; dort wird der Tiger als der heimtückische Teufel und Menschen-Mörder betrachtet, der er ist.« (Cooper, 233)
Um die Aufnahmen mit einem echten Tiger in den Kasten zu kriegen, werden zahllose zunächst erfolglose Versuche unternommen, einen Tiger zu fangen. Die ersten Versuche scheitern entweder daran, dass die Tiger nicht auf die Köder (in aller Regel Hunde oder Schweine) reagieren, oder dass die Einheimischen die Fallen unfachmännisch oder gar nicht bestücken. Als dann schließlich doch die Nachricht eintrifft, dass ein Tiger gefangen worden sei, stellen Cooper und Schoedsack zu ihrer großen Freude fest, dass es sich um ein besonderes Exemplar handelt: aus der Falle faucht sie Mr. Crook an, der gefürchtetste menschenfressende Tiger der Region, der leicht an seinem verkrüppelten Bein zu erkennen war.
Nachdem der Tiger ins Lager transportiert worden war, errichtete die Crew ein hohes Gerüst, auf dem sich Ernest B. Schoedsack mit seiner Kamera positionierte. Die Aufnahmen, in denen der freigelassene Tiger die Kamera mit einem gigantischen Sprung attackiert gehören zu den spektakulärsten Aufnahmen der Dokumentarfilmgeschichte. Auch die Szenen, in denen eine wilde Elefantenherde die Hütte der Familie Kru zerstört, sind unerreicht.