Buster Goes Crime (USA 1921-22)

Cops (USA 1922)
The Goat
Dauer:
23 min
Regie:
Buster Keaton, Malcolm St. Clair
Darsteller:
Buster Keaton, Virginia Fox, Myra Keaton
The High Sign
Dauer:
21 min
Regie:
Buster Keaton, Edward F. Cline
Darsteller:
Buster Keaton
Cops
Dauer:
20 min
Regie:
Buster Keaton, Edward F. Cline
Darsteller:
Buster Keaton, Joe Roberst, Joe Roberts, Virginia Fox
Musik & Ausführung:
Yogo Pausch
35mm-Kopie:
Douris UK Ltd.

Die Kurzfilme

Buster Keaton in The Goat(USA 1921)

InThe Goat stolpert Buster von einem Missverständnis ins andere und ist dabei praktisch die ganze Zeit auf der Flucht - zunächst wegen eines nicht funktionierenden Glücksbringers, dann wegen eines missverständlichen Fahndungsphotos und schließlich, weil er von einem Mädchen, das er beschützt hat, zum Abendessen eingeladen wird. Dabei verfolgen ihn mal nur ein Sheriff, mal eine ganze Polizeikompanie. Hohes Tempo is garantiert, wenn Buster Keaton von der Lok, über den Aufzug bis zur Rolle vorwärts durch das Oberlicht jedes Mittel recht ist, um nicht als der titelgebende „Sündenbock“ herhalten zu müssen.

Buster Keaton in The The High Sign (USA 1921)

Mit der Polizei hat der Held in The High Sign zur Abwechslung kein Problem, dafür aber ein umso größeres mit einer Vebrecherbande. Deren Anführer hält ihn dank eines Tricks auf dem Jahrmarkt für einen begnadeten Schützen und will ihn deswegen für einen Mord engagieren. Das Gleiche denkt allerdings auch das geplante Opfer und dessen Tochter, die Buster daraufhin als Leibwächter anstellen. Wie Buster mit der Doppelbelastung als Attentäter und Beschützer sowie einigen Fall- und Drehtüren umgeht, ist nicht nur eine akrobatische Höchstleistung, sondern auch beste Slapstick-Unterhaltung.

Wie viele seiner späteren Langfilme beginnt Cops mit einem jungen Mann, der alles daran setzt, es seiner Verlobten recht zu machen - am Ende jedoch landet in anderen Armen als der der Angebeteten. In den knapp 20 Minuten dazwischen reiht Keaton eine komische Absurdität an die nächste. Mal fällt ihm alles zu - der volle Geldbeutel eines reichen Schnösels, die Bombe eines Anarchisten - mal verliert er alles - die Geschäftsgrundlage oder das Gleichgewicht. Wenn schließlich alles in einer von Keatons spektakulärsten Verfolgungsjagden gipfelt, wird klar, warum Cops als einer seiner besten Kurzfilme gilt. Dem Film vorangestellt ist übrigens ein Zitat von niemand Geringerem als Houdini - jenem großen Bühnenmagier, dem Keaton, getauft auf den Namen Joseph Francis, laut eigener Aussage den Beinamen „Buster“ verdankt.

Portrait Buster Keaton

Der Überwinder

„Zu dem, was man so Leben heißt, hat die Seele Buster Keatons keine Beziehung. Seine Augen sind in die Ferne gerichtet, er späht nach Indianerart, die Hand zum Schutz vor der grellen Sonne über die Stirn gehalten, in eine Landschaft, deren gefährliche Leere er wie kein zweiter kennt. Was Buster sucht, enthält die Welt nicht. Darum möchte er sich am liebsten nicht um sie kümmern, aber die Welt läßt ihn nicht. Sie stößt ihn, sie verwickelt ihn, sie verstört ihn. Und er weicht ihr aus, paradoxerweise wie ein Held, indem er alle Aufgaben, die ihm gestellt werden, löst, in der Hoffnung, dann in Ruhe gelassen zu werden. Um seine Aufgaben zu lösen, muss er sich mit den Dingen verbünden. Im Gegensatz zu Charlot [Chaplins Tramp-Figur) benutzt er die Dingwelt nicht, um sich an der Gesellschaft zu rächen, sondern um ihr zu entkommen. Mit dem „General“, einer eigenwillig konstruierten Dampflokomotive, oder dem veralteten Mississippi-Dampfer in „Steamboat Bill Jr.“ verbindet ihn ein eigenes Einverständnis: Er beherrscht diese Maschinen - nach anfänglichen Schwierigkeiten - wie im Traum, d.h. nicht technisch, sondern kreativ. Da er sich an nichts zu erinnern scheint, alles zum ersten Mal sieht, muss er alle neu erfinden. Doch ist ihm dies keine Aneignungsprozess, er ‚besitzt‘ am Ende nicht mehr Erfahrung, er verändert sich nicht, sondern muss im Gegenteil allvdiese Arbeiten, diese Strapazen und Gefahren auf sich nehmen, um sich treu zu bleiben. Er muss sich daher konzentrieren auf das, was er tut, er ist ganz bei der Sache. Das heißt: Jedes Ding erscheint ihm nicht als durch gesellschaftliche Vermittlung in bestimmte Funktionszusammenhänge Gebrachtes, sondern als Ding an sich. Darin liegt die Poesie - und ein Stück Metaphysik. Was Buster tun muss, tut er mit Ehrfurcht und Geduld. Je größer die Anforderung, je aussichtsloser die Situation, desto größer seine Ruhe, mit der er Handgriff auf Handgriff verrichtet, nach einem Plan, der für alle außer ihm unvorstellbar ist. Plötzlich scheint es, als habe er die ganze Geometrie der Welt im Kopf. Die großen Zusammenhänge, die ihm sonst so gar nicht vertraut sind - er hält stets das, was ihn gerade umgibt, für die Welt - meistert er plötzlich in einer konzentrierten Tat. Wie Buster Keaton selber sagte, musste er nie lachen weil er andere Möglichkeiten hatte, seine Gefühle auszudrücken. Das „stone-face“, „dead-pan“ des „Mannes, der niemals lachte“ war jedoch mehr als ein Markenzeichen oder ein wirksamens Kontrastmittel für komische Situationen. Es gibt uns zu verstehen, dass an den Schwierigkeiten, die der Held des Slapstick-Komödie zu überwinden hat, eigentlich nichts Lächerliches ist.“ (Roloff & Seeßlen, Klassiker der Filmkomik, S. 55-7)

Portrait Buster Keaton

Keaton, der Regisseur

Ganz und gar nichts Lächerliches hatten mit Sicherheit Keatons Gewissenhaftigkeit bei den Vorbe-reitungen für Dreharbeiten und die Durchführung seiner berüchtigten Stunts an sich. Egal ob er in der Bürgerkriegs-Farce The General auf einem fahrenden Zug herumstolziert, in The Navigator in sechs Meter Tiefe im eiskalten Wasser dreht oder sich in Steamboat Bill Jr. betont ungerührt zwischen zwei Tonnen einstürzende Kulissen stellt, immer gelingt es Keaton, die Szenen spektakulär genug zu gestalten, um sein Publikum in Staunen zu versetzen und dabei genug gelassene Naivität an den Tag zu legen, um ihnen das Lachen nicht durch zu viel Dramatik zu verderben. Diese wichtige Mischung lernt Keaton bereits als Kind, als er mit seinem Vater und seinen Brüdern landesweit in Vaudeville-Shows und Zirkussen auftritt. Dabei lernt er er sich zu bewegen, richtig zu stürzen und zu fallen, ohne sich zu verletzen - und sich im Notfall den Schmerz nicht anmerken zu lassen. Sein Einstieg beim Film erfolgt entsprechend in Slapstick-Komödien, in denen der nicht sonderlich große, dafür aber sportlich schlanke Buster als physischer Kontrast zu Roscoe „Fatty“ Arbuckle eingesetzt wird. Schon bald steigt Buster auch hinter den Kulissen auf. Er wird zunächst „Gagman“ und Regie-Assistent für Arbuckle, bevor Produzent Joseph M. Schenck ihm ein eigenes Studio überlässt - es ist das ehemalige Studio Charlie Chaplins. Entscheidend für Keatons Aufstieg und Erfolg ist neben seiner Bühnen- erfahrung vor allem sein Verständnis für das neue Medium Film. Keaton versteht es, die Bewegungsabläufe, die Geschwindigkeit und Absurdität seiner Gags und Stunts durch Kameraeinstellungen und Schnitte zu unterstreichen. Sein gutes Timing als Darsteller kann er in ein mindestens genauso gutes als Regisseur umsetzen. Hinzu kommt sein Perfektionismus: Szenen werden so lange wiederholt, bis sie ihn komplett überzeugen. Nicht ohne Grund bezeichnet der ange- sehene amerikanische Filmkritiker Roger Ebert Buster Keaton deswegen als der besten „actor-director“ der Filmgeschichte.