La Souriante Mdm. Beudet (Das Lächeln der Madame Beudet) (FR 1922)

Dauer:
45 min
Regie:
Germaine Dulac
Buch:
  • Denys Amiel
  • André Obey
Darsteller:
  • Germaine Dermoz
  • Alexandre Arquillière
  • Yean d' Yd
  • Madeleine Guitty
Musik (UA):
Manfred Knaak
Ausführung:
ensemble KONTRASTE
Filmkopie:
Cinématheque Suisse
Filmstill La Souriante Mdm. Beudet

Die StummFilmMusikTage zeigten diesen Film 2005 im Rahmen der Veranstaltung La Grande Tristesse – StummFilmKonzert und Chansons

Inhalt

Madame Beudet lebt ein stilles Leben in einer französischen Provinzstadt, zurückgezogen in die Welt ihrer Gedanken. Ihre Ehe lässt kaum Raum für eigene Wünsche und Bedürfnisse. Allerdings hat ihr Mann einen merkwürdigen Sinn für Humor. In der Schreibtischschublade versteckt er einen ungeladenen Revolver, den er sich ab und zu an den Kopf hält, wenn er seine Frau erschrecken will. Madame Beudet erträgt diese Provokation nicht mehr und steckt eine Patrone in das Waffenmagazin; dann wartet sie den tödlichen Schuss ab. In letzter Sekunde entlädt sie den Revolver. Ihr Mann erkennt, wie sehr sie unter ihm gelitten hat, und gelobt, sich zu bessern. Und wieder folgt die schweigsame Madame Beudet ihrem Mann über die leeren Strassen der kleinen Provinzstadt.
Mit La Souriante Mme. Beudet hat Germaine Dulac einen der ersten feministischen Filme der internationalen Filmgeschichte geschaffen: die Geschichte ist subjektiv aus der Perspektive der introvertierten Madame Beudet erzählt - in ruhig komponierten Bildern, beobachtend und immer auf der Suche nach ‚sprechenden' Details im Alltag der Protagonistin. Germaine Dulac verbindet Erzähltechniken des französischen impressionistischen Kinos mit dem Versuch, Innenwelten und Sehnsüchte einer jungen Frau darzustellen. Dafür setzt sie elaborierte visuelle Mittel ein, die sie als Vertreterin der französischen Kino-Avantgarde auszeichnen, und bricht lineare Erzählfolgen. Der Film changiert zwischen Traum und Wirklichkeit, Vision und Erinnerung, Melodram und Sozialkritik. Entstanden ist ein kleines Meisterwerk, das unglaublich modern und zeitlos wirkt - quasi im Schnittpunkt von Virginia Woolf und Geschichten aus dem Alltag à la Claude Chabrol oder Luis Bunuel.

Filmstill La Souriante Mdm. Beudet

»Durch das stilbewußte Experimentieren mit einer Fülle filmischer Techniken - die von Überblendungen, die Handlung durchsetzenden Abblenden, dem Einsatz von Weichzeichner, Doppel- und Mehrfachbelichtung bis hin zu Zeitraffer- und Zeitlupenaufnahmen, beschleunigter Montage, dramatischen Lichteffekten, Bildmaskierungen, Zerrlinsen und anderen Manipulationen reichen, baut sie visuell eine äußerst dynamische Stimmung auf, um Mme. Beudets Welt der Imagination darzustellen.
Dieses Mal standen die Mittel der Suggestion allerdings nicht mehr ausschließlich im Dienste der Entwicklung der Figuren; sie wurden selbst zum Ornament der poetischen Textur des Films. Damit bewegte sich Dulac weg von der Vorstellung eines Kinos, das an narrative Kausalzusammenhänge gebunden ist, hin zu einer mehr abstrakten Idee von Film, die sich mit dem Wesen des Mediums und seinen Spezifika befaßt. Und es ist kein Zufall, daß dieses besondere Unterfangen im Bewußtsein einer weiblichen Figur seinen Ausdruck findet. Als sie von ihrer Arbeit an dem Film spricht, sagt Dulac: ‚Ich stellte fest, daß das Kino seinen Weg zunehmend in der rhythmischen Gegenüberstellung der Bilder fand, mehr als im Spiel der Darsteller, denn die darstellende Kunst wurde mit diesen neuen Methoden zur Kunst, sich selbst in der Bewegungslosigkeit Ausdruck zu verleihen.' In dieser Formulierung liegt die Betonung auf dem Schnitt bei der Herstellung von Bedeutung, da Dulac hier die Signifikanz, die sich aus der Beziehung zwischen den Aufnahmen ergibt, erkannt hat.« (Flitterman-Lewis, 55f.)

Dulac über die Schauspielkunst

Eine erstklassige Schauspielerin [...] fragte mich während der Dreharbeiten zu La Souriante Mme. Beudet »Sie sagen mir immer, daß ich einen zu intensiven Ausdruck habe, warum?" Und ich antwortete ihr: "Denken Sie nur, empfinden Sie, ohne daß ein Muskel Ihres Gesichtes sich regt, und Sie werden sehen, daß Ihr Spiel, vereint mit dem Rhythmus Ihrer Gedanken, genau das richtige Maß der zu äußernden Gefühle zeigen wird.«