Asphalt erzählt von einem Polizei-Wachtmeister (Gustav Fröhlich), der die schöne Else (Betty Amann) beim Juwe-lendiebstahl erwischt. Die raffinierte Halbweltdame verführt den Polizisten und entgeht so ihrer Verhaftung. Der brave Schutzmann verfällt ihrer dekadenten Welt und wird zum Mörder aus Eifersucht. Als er von dem eigenen Vater, dem Hauptwachtmeister Holk (Albert Steinrück in seiner letzten Rolle), verhaftet wird, schein alles verloren zu sein…
Mit Asphalt präsentiert Joe May eine kühne Vision der Metropole Berlin: nächtliche Boulevards, Neonlichter, dunkle Schatten, Luxus, Verbrechen und Erotik. Der Film war eine Spitzenproduktion der Ufa, die mit enormen Aufwand in den Babelsbergern Studios gedreht wurde. In der größten Studiokulisse Europas ließ der Regisseur hierfür eine luxuriöse Einkaufsstraße nachbauen, welche das mondäne Berlin der 20er Jahre in Szene setzt. Um den Anforderungen des Buches, die Straße so zu gestalten wie das Auge des Fußgängers sie sieht, gerecht zu werden, entwickelte man einen fahrbaren Aufnahmeturm für den Operateur und seine Kamera. Die Bauten komponierte Erich Kettelhut nicht mehr als Totalbild von einem fixierten Punkt aus. Dem umherschweifenden Motiv bot er vielmehr überall interessante Einzel- und Gesamtbilder. „Das Ganze rundet sich im Auge der Kamera (Beschauer), die, von allem Zwang befreit, sich willkürlich in der Dekoration bewegen kann, zu dem erstrebten und im Manuskript geforderten, bewegten Gesamtbild einer Großstadtstraße.“ Die Kamera- und Lichtführung belegt eindrucksvoll einen der Höhepunkte der deutschen Stummfilmproduktion: Ausgeklügelte Kamerafahrten verknüpfen Innen und Außen und nuancierte Beleuchtungen illuminieren die prickelnde, raubkatzenhafte Erotik der Juwelendiebin, gespielt von Betty Amann. (Deutsches Filminstitut)
Da verwundert es nicht, dass zeitgenössische Kritiken immer wieder die großartigen Leistungen von Kameramann Günther Rittau und Szenenbildner Erich Kettelhut feierten.
Über Bedeutung dieser visuellen Ebene schreibt Produzent Erich Pommer: »Dieser Film wurde von den visuellen Möglichkeiten eines Milieus und ihren Einwirkungen auf das Leben seiner Menschen her geschaffen. Wenn man einen Film wirklich aus dem Milieu, ja weitgehend aus den Örtlichkeiten seines Geschehens gestaltet, entdeckt man, welchen Einfluß all diese Dinge auf das Spiel des Schauspielers und seine seelische Vertiefung haben können. Eine derartige Entwicklung läßt jeden Film erdhafter werden und bindet seine kleinen und großen Tragikomödien des Lebens zu einem starken und ergreifenden Furioso, denn sowohl die dichterische als auch die optische Entfaltung ist gebändigt innerhalb des großen Rahmens des Gesamtgeschehens. Infolgedessen unterstützen auch alle optischen Milieu-Einfälle die Verinnerlichung der Einzelszenen mit ihren seelischen Spannungen. Die Ausdrucksmöglichkeiten der Leinwand gestatten so eine intensive Bildgestaltung, die Verbundenheit mit der Umwelt schafft, und den Film aus dem fernen Geschehen des Einmaligen zu einem allgemein-ergreifenden Schicksal werden läßt. Auch der Ort der Handlung gibt in seinem Aufbau vielerlei Anlaß zu Bildmomenten, die, trotz ihrer scheinbaren Begrenztheit auf fast Richtiges, allergrößte Einwirkungen auf Menschenschicksale haben können. Betrachtet man nun im einzelnen das Leben in einer Straße, so kann diese reine Passage sein, es kann aber ebenso die Stimmung schicksalhaft in das Leben jedes Menschen eingreifen. Dann ist diese Straße nicht mehr Umgebung, nicht mehr Hintergrund, ein Schicksal reißt auf, der Weg eines Menschen wird verändert, natürlich, einfach und doch unerklärlich. Eine Kulisse lebt auf, ihre Ausstrahlungen ändern das Leben eines Menschen. Die Straße wird dann ein Symbol des menschlichen Lebens - ein unendliches Ineinanderfluten von Schicksalen. (Deutsche Filmschau. Deutsche Filmzeitung, 12.4.1929)
Das menschliche Leben, die Schicksale, die im Film ausgegriffen werden, sorgten für allerhand Aufruhr in der Weimarer Republik: Insbesondere Betty Amann als berechnende Juwelendiebin erregte die Gemüter. Wie kaum eine andere Frauenfigur im Kino der 20er Jahre ist sie eine zutiefst amoralische Gestalt – lebenshungrig, ich-bezogen, erotisch und skrupellos. Ihre ‚Verführung’ des Wachmanns ist kein subtiles Spiel von Augenaufschlag, Gestik und raffiniertem Dekolletee – sie ist eine Naturgewalt. Die Film-Oberprüfstelle in Berlin bringt es in ihrem Gutachten zum Film auf den Punkt: »Der bis dahin untadelige und pflichttreue Beamte [erliegt] dem Ansturm der Dirne, die fast mit Gewalt Besitz von ihm ergreift.«
Joe May bietet seine ganze Kunst auf, um dieses Grundthema des Films herauszuarbeiten: »Da wird die Staatsgewalt erfreulich korrumpiert durch Eleganz, durch Pelze, durch gleißende Stoffe, durch samtene Atmosphäre in einem Boudoir und Blicke unter künstlichen Wimpern. Man spürt: es sind die Augen, die verführt werden müssen. Für die bürgerliche Innerlichkeit muss das Kino, wenigstens in seinen Anfängen, eine ernste Gefahr gewesen sein.« (Frieda Grafe, Enno Patalas. Nicht nur Pick & Pabst)
Dass diese Frau am Ende durch die Liebe bekehrt wird mag aus heutiger Sicht bedauerlich sein, ist aber den Konventionen der Zeit geschuldet.