Bald nach ihrer Hochzeit mit dem Anwalt Robert Storner fühlt Irene sich zunehmend gelangweilt. Sie lernt den Maler Walter Frank kennen und lieben. Als Robert von der Verbindung erfährt, überredet er den Maler zum Verzicht und versöhnt sich mit seiner Frau. Als er aber auf Geschäftsreise geht und Irene sich wieder vernachlässigt fühlt, lässt sie sich von ihrer Freundin Liane zu Nachtclub-Besuchen animieren, bei denen sie Walter wieder trifft und auf die Avancen eines Boxers eingeht. Diese zweite Ehekrise endet mit der Scheidung. Unmittelbar nach der Scheidung, noch im Gerichtsgebäude, fallen sich die Eheleute aber wieder in die Arme.
Entgegen allem Anschein geht es in Abwege nicht um die psychologische Ausleuchtung einer Ehekrise. Auch nicht um eine sozialkritische Analyse er bürgerlichen Institution Ehe wie noch in Madame Bovary oder Effi Briest. Es geht um das Scheinen, nicht um das Sein. Das erste Bild der Protagonistin, das der Zuschauer zu sehen bekommt, ist eine Zeichnung, die Walter, der Maler, gerade von ihr anfertigt. Die Reproduktion geht dem Original, die Kunst der Natur voraus. Die Frau konstituiert sich im Blick des (männlichen) Künstlers, sie selbst geriert sich als posierendes Modell. Ihr Flirt mit Walter ist eine Inszenierung für die anwesende Freundin Liane. Irenes Achtlosigkeit und Natürlichkeit wird durch den berechnenden Blick aus den Augenwinkeln widerlegt; selbst der Ehebruch, der zur Scheidung führt, ist gespielt und nicht vollzogen. Sowohl Ehemann als Verehrer sind von Berufs wegen dem Augenschein verpflichtet: der Jurist urteilt nach der Evidenz und ist privat auf die Wahrung seines und ihres guten Rufs bedacht; für den Künstler ist Irene ästhetisches Objekt. Weder die emotionale Bindung oder Entfremdung zwi sehen den Partnern ist Thema des Films noch geht es um das Freiheitsstreben oder Emanzipation der Frau. Es herrscht ein Klima der Promiskuität, Erotik ist ein Mittel gegen die Langeweile wie Zigaretten, Alkohol oder Opium. Auffällig oft werden andere Paare gezeigt, die sich wie in einem Reigen finden und verlieren. Immer hat eine Aktion ihre Entsprechung im (voyeuristischen) Blick eines anderen. Die Figuren posieren voreinander - und vor der Kamera. Immer werden die Gesten und Allüren durch die Kamera als Teil eines erotisch aufgeladenen Rollenspiels entlarvt. Durch die Wahl der Perspektive, durch Fenster- oder Autoscheiben, durch die der Blick fällt und sich bricht, verweist Pabst auf die aktive Rolle der Kamera. Auffällig ist auch, wie oft im Film Geld zu sehen ist. Pabst zeigt teilnahmslos eine Gesellschaft des Scheins, in der das eigene Bild zum Tausch und Handelsobjekt wird, in der die zum Fetisch gewordenen Objekte des Blicks zu barer Münze gemacht werden. Man tauscht und täuscht. Es ist das Bild einer Gesellschaft, die die Gesetze des Marktes verinnerlicht hat, das Abwege so modern erscheinen lässt.
Lange Zeit galt Abwege als verschollen - der Film tauchte lediglich als Titel in Filmographien von Georg Wilhelm Pabst auf. Nach 1989 fand sich das Original-Negativ im staatlichen Filmarchiv der DDR, die das Material aus dem Reichsfilmarchiv ererbt hatte. Von neun Rollen fehlt allerdings die siebte. Enno Patalas vom Filmmuseum München unternahm eine Restaurierung des Films auf der Grundlage der vorhandenen Rollen, ergänzt durch ein von der Cinematheque Suisse verwahrtes Negativfragment. Auf diese Weise konnten auch die meisten der ursprünglichen Zwischentitel wiederhergestellt werden.
Auf Initiative von ARTE restaurierte das Bundesarchiv/Filmarchiv in Zusammenarbeit mit der Stiftung Deutsche Kinemathek 1998 sein Original-Negativ und ergänzte die fehlende Rolle 7 durch ein Kopienfragment aus den Beständen der Fondazione Cineteca Italiana. Die Fassung folgt im Wesentlichen der Münchner Kopie; die Titel entsprechen in Wortlaut und Gestaltung dem Original, ergänzt durch Rückübersetzungen aus dem Französischen.
Der Film liegt nun in einer restaurierten Schwarz-Weiß-Fassung vor, Material der viragierten Fassung, die nachweislich in Deutschland gezeigt wurde, ist nicht auffindbar.
Die Komponistin Elena Kats-Chernin, geboren 1957,stammt aus Taschkent (Usbekistan) und begann ihre musikalische Ausbildung in Moskau. 1975 emigrierte sie mit ihrer Familie nach Australien. Nach Abschluss ihres Musikstudiums ging sie 1980 im Rahmen eines DAAD-Stipendiums nach Deutschland und studierte Komposition bei Helmut Lachenmann. Während der nächsten 13 Jahre in Deutschland schrieb sie Orchesterwerke und Bühnenwerke für führende deutschsprachige Bühnen wie der Schaubühne, Berlin, Schauspiel Bochum und Burgtheater Wien. 1994 kehrte sie nach Australien zurück. Elena Kats-Chernin gilt als eine der führenden Komponisten Australiens. Ihre oft intensive und dramatische Musik wurde von international renommierten Orchestern aufgeführt, wie dem ensemble modern und dem Australian Chamber Orchestra. Abwege ist nach Sjöströms Phantom Chariot Elena Kats-Chernins zweite Stummfilmvertonung. Die Musik für Abwege ist für neun Instrumente geschrieben und besticht durch den Reichtum der Klangfarben, die passend zu der jeweiligen Atmosphäre im Film eingesetzt werden. Dabei ist die Musik keineswegs nur illustrativ, sondern spürt die in den Bildern nicht sichtbaren verborgenen Gefühle der Protagonisten auf.