30. Januar – 18. Februar 2003 im SiemensForum, Erlangen Vernissage am 30. Januar 2003, 19 Uhr
Der amerikanische Fotograf George Hurrell erwartete in Hollywood Mitte der dreißiger Jahre Marlene Dietrich zu einem Studiotermin. Hurrell war bekannt für seine außergewöhnlichen Glamour-Fotos. Stars wie Joan Crawford, Bette Davis oder Katharine Hepburn verließen sich blind auf sein Gespür für Licht und Atmosphäre. Nicht so Marlene Dietrich. Kaum war sie im Studio, forderte sie einen körpergroßen Spiegel, der direkt neben der Aufnahmekamera stehen sollte. »Das Licht«, so Hurrell, »sollte bei ihr immer von oben, direkt über ihrem Kopf, kommen. Das konnte sie im Spiegel kontrollieren. Sie machte ihre eigenen Posen und sagte dann: »Jetzt, George, mach' das Foto.« Und wenn du dann nicht funk-tioniertest, war die Hölle los. Ich kenne niemanden, der so wild war auf Fotos von sich selbst.«
Marlene Dietrich und die Kamera: Das ist keine diskrete Beziehung, auch keine wildromantische Affäre, sondern ein von Kampf, Ehrgeiz, Kontrolle, umfassender Kenntnis und eisenhartem Willen geprägtes Verhältnis. Rund 15.000 Fotos hat Marlene Dietrich gesammelt, fast alle in exzellentem Zustand, darunter kaum eines, das nicht unter ihrer Kontrolle entstanden ist. Diese einzigartige Sammlung ist nicht einfach die Marotte eines exzentrischen Stars, sondern ein Arbeitsarchiv, ein Leistungsnachweis und eine Dokumentation ihres hohen Qualitätsanspruchs. Fotos, die diesem Anspruch nicht genügten, hat sie zerrissen und dennoch aufbewahrt.
Marlene Dietrich wußte um ihre eigenen Qualitäten, sie wußte, wie sie fotografiert werden wollte und setzte in der Regel auch ihre Vorstellungen durch - egal, ob die Fotografen Cecil Beaton, Edward Steichen, Laszlo Willinger, Horst P. Horst hießen oder andere berühmte Namen trugen. Die professionelle Qualität der Fotografen trug nur dazu bei, den Glanz der Marlene Dietrich zu erhöhen, ihr synthetisches Erscheinungsbild um noch eine Raffinesse mehr zu verfeinern. Natürlichkeit, Spontaneität, Unabsichtliches sollte es in ihrem System nicht geben. So reduziert jenes Bild, das in minimalistischer und keinesfalls voyeuristischer Weise nur ihre Beine zeigt, die Person auf den erotischen Körper. Die Erotik ist immer Auftritt, immer bewußt, immer bis zu statischer Unwirklichkeit inszeniert - ein eiskalter Traum, unberührbar und in einem Arbeitslabor zur Herstellung künstlicher Genüsse angesiedelt.
»I have been photographed to death« - mit diesen Worten wehrte
Marlene Dietrich in den frühen achtziger Jahren den Versuch von Maximilian
Schell ab, sie für seinen biographischen Film Marlene
zu fotografieren. Die Opferhaltung ist eine Alterspose. Immer war die
Kamera ihr gehorsamer Diener; die Fotografen schätzte sie als Handlanger
ihres eisernen Stilwillens. Die Fotografie war zu ihrem Medium geworden,
mit dem sie das Image "Marlene Dietrich" kontrollierte und in
das Bewußtsein der Öffentlichkeit einbrannte.
(Werner Sudendorf)
Durch die Faszination
und Irritation, die sie zeitlebens auf ihre Mitmenschen ausübte,
wurde sie zum »Mythos Marlene«, der auch nach ihrem Tod seine
Wirkung behält. Als selbsterschaffene Ikone weiblicher Schönheit
und Eleganz prägt sie einen Typ Frau, dessen Reiz beide Geschlechter
bis heute erliegen: gleichzeitig distanziert und leidenschaftlich übertritt
sie gesellschaftliche »comme-il-fauts« und folgt ihren eigenen
Überzeugungen.
Dieses auch in der Realität gelebte Bild hat Marlene häufig
Mißbilligung und Protest eingebracht, gerade in Deutschland, wo
sie als »Vaterlandsverräterin« beschimpft und als »singende
Großmutter« verhöhnt wurde. Sie nahm es sich heraus, ethisch
Profil und physisch Silhouette zu zeigen, auch dann, wenn (oder gerade
weil) etwas anderes erwartet wurde.
Aus dem reichen Nachlaß Marlene Dietrichs, den die Stiftung Deutsche Kinemathek Berlin betreut, zeichnet die Fotoausstellung des Goethe-Instituts den Lebensweg der Künstlerin nach, die am 27. De-zember 1901 in Berlin geboren und dort am 16. Mai 1992 beerdigt wurde. Die StummFilmMusikTage Erlangen und das SiemensForum präsentieren die Aufnahmen, die fast ein Jahrhundert umspannen, nun erstmals in Erlangen.
Im Anschluß an die Ausstellungseröffnung:
Songs von Friedrich Hollaender arrangiert von Marco Jovich, interpretiert
von Christine Papendieck (Gesang) und Bettina
Ostermeier (Klavier).
In Zusammenarbeit mit der Europäischen FilmPhilharmonien präsentieren wir Ihnen
ein Medley aus den bekanntesten Liedern des Erfolgsduos Marlene Dietrich
und Friedrich Hollaender. Das Kernstück bilden drei Hits aus dem
Film, der die Dietrich zum Weltstar machte, Josef von Sternbergs Der
blaue Engel aus dem Jahr 1930: »Ich bin die fesche Lola«,
»Nimm' Dich in Acht vor blonden Frau'n« und »Ich bin von Kopf
bis Fuß auf Liebe eingestellt«. Ergänzt werden sie durch
»Wenn ich mir was wünschen dürfte« aus dem Film Der
Mann, der seinen Mörder sucht (1930) und Marlene Dietrichs legendäres
»Ich hab' noch einen Koffer in Berlin« von R.M. Siegel und Aldo
v. Pinelli aus dem Jahr 1960.
Wenn Sie noch mehr über Marlene Dietrich erfahren wollen, empfehlen wir Ihnen die Marlene Dietrich Collector's Page oder www.marlene.com.
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