Merian C. Cooper

Portrait von Merian C. Cooper

Merian C. Cooper gehört sicher zu den schillerndsten Gestalten Hollywoods. Im ersten Weltkrieg meldet er sich freiwillig zur Luftwaffe, wo er zum ersten Mal den jungen Ernest B. Schoedsack trifft. Cooper zeichnet sich durch seinen Wagemut aus und wird schließlich über Frankreich abgeschossen. Schwer verletzt bleibt er bis zum Kriegsende in deutschen Hospitälern und Kriegs-gefangenenlagern. In den USA wird er als Kriegsheld gefeiert.
Anstatt jedoch nach Hause zurückzukehren schließt sich Cooper 1919 dem polnischen Freiheitskampf gegen die Sowjetunion an. Dort stellt er 1920 eine rein amerikanische Fliegerschwadron zusammen, die Kosciuszko-Schwadron, genannt The Flying Yankees. Er gerät in russische Kriegsgefangenschaft; erst ein Jahr später gelingt ihm mit Hilfe der ebenso glamourösen wie geheimnisvollen Millionenerbin und Spionin Marguerite Harrison die Flucht. Zurück in den USA arbeitet er als Journalist und schließt er sich als erster Offizier und Expeditionsschreiber der Salisbury-Expedition der National Geographical Society an. Nach einer Reise um die halbe Welt stößt in Äthiopien Ernest Schoedsack zu der Expedition. Er erkennt das Potential, das in der filmischen Dokumentation der Reise liegt 1924 bricht das Duo zu ihren ersten gemeinsamen Dreharbeiten zu den Baktriern, einem iranischen Nomadenvolk auf. Begleitet werden sie von Marguerite Harrison. Es entsteht die Aufsehen erregende Dokumentation Grass: A Nation's Battle for Life (Gras). Während der Postproduktion kommt es zur Trennung von Harrison, die sich aufgrund 'künstlerischer Differenzen' außerstande sieht, weiter mit Cooper und Schoedsack zu arbeiten. Dennoch wird Grass ein großer Erfolg, der es dem Team ermöglicht, ihr nächstes Projekt zu finanzieren: eine Geschichte vom Überleben im siamesischen Dschungel, Chang.

Mit The Four Feathers (Vier Federn) steigen Schoedsack und Cooper schließlich 1929 ins Spielfilmgeschäft ein, doch ihren größten Erfolg feiern die beiden Abenteurer mit dem Sensationshit von 1933, King Kong (King Kong und die weiße Frau). Die Hauptfigur des Films, der Abenteurer und Regisseur Carl Denham ist dabei ein wenig verhülltes Porträt Coopers, der ihm im wahren Leben kaum an Abenteuerlust und Wagemut nachstand. Zum Höhepunkt des Films lassen es sich Schoedsack und Cooper nicht nehmen, höchstpersönlich in die Rolle der Kampf-piloten zu schlüpfen, die den riesigen Affen vom Empire State Building schießen.
In späteren Jahren arbeitet Cooper sehr erfolgreich als Produzent. Mit seinem guten Freund John Ford arbeitet er an Klassikern wie Rio Grande und The Searchers (Der schwarze Falke). 1973 stirbt Merian Caldwell Cooper in San Diego an einer Krebs-erkrankung.

Sein Vorliebe für Abenteuer und Gefahr erklärt Cooper einmal so: »Du riskierst deine Haut und in dem Moment, wo Leben und Tod sich die Waage halten, bekommst Du, egal wie groß Deine Angst sein mag, eine Ahnung vom animalischen Wert der bloßen Existenz... Wind und Regen schlagen Dir ins Gesicht und Du rüstest Dich, das Steuerrad im Angesicht einer riesigen Welle zu drehen, die auf Dein kleines Segelboot zurast. Ein Mann vertraut dir mehr als allen anderen Männern und Du verstehst, was Freundschaft wirklich bedeutet.« (Vaz, 6)