1895 sitzt der Bühnenmagier Georges Méliès in der ersten öffentlichen Vorführung des neuartigen Kinematographen der Gebrüder Lumiere in Paris. Das neue Medium begeistert ihn sofort; er steigt in die Filmproduktion ein.
Anders als seine Hauptkonkurrenten auf dem expandierenden Filmmarkt, die Lumieres in Frankreich und Edison in den USA, setzt Méliès von Anfang an auf das fiktionale Format. Dabei stellt er oft nicht vielmehr als seine Bühnentricks aus dem Theatre Robert Houdin nach, das er 1888 gekauft hatte, nun allerdings durch die Trickkiste des Films erweitert.
Bereits Méliès' erster Film »Une Parties des Cartes« aus dem Jahr 1896 ist ein großer Erfolg. Er gründet 1896 seine Produktionsfirma Star Film, deren Logo in jedem seiner Filme als Trademark eingebaut ist, um seine Urheberrechte zu schützen und seine Filme als Originale zu kennzeichnen. 1897 baut er in Montreuil bei Paris sein eigenes Filmatelier. Bis 1913 produziert Méliès dort 500 Kurz- und Kürzestfilme, die zu internationalen Bestsellern werden. Dependancen im Ausland (u.a. in den USA) entstehen, doch als sich die Filmindustrie Anfang der zehner Jahre zu verändern beginnt, verliert Méliès mit seinen charmanten, aber einfachen Kurzfilmen an Boden.
Während anderswo (z.B. in Skandinavien) die ersten Langfilme entstehen und das junge Medium Film beginnt, durch komplexere Stoffe und das Engagement von Theaterstars wie Sarah Bernard 'respektabel' zu werden und die Mittelschicht zu umwerben, bleibt Méliès seiner in der ersten Dekade des Films so erfolgreichen Rezeptur des fantastischen Kurzfilms treu. Bereits 1911 verliert er seine Selbständigkeit und wird zum Subunternehmer für die Pathé-Studios. Nach dem ersten Weltkrieg kommt es zum endgültigen wirtschaftlichen Zusammenbruch und zum Ende des mélièsschen Filmschaffens. Fortan muss der einst so erfolgreiche Regisseur und Produzent Spielwaren verkaufen, um finanziell über die Runden zu kommen. In seiner Geldnot geht er sogar dazu über, seine Filmnegative als Rohmaterial zu verkaufen, wodurch viele seiner Filme heute für immer verloren sind. 1938 stirbt er verarmt im Alter von 77 Jahren in Orly.